Am Rande von Stuttgart steht ein traditioneller Bauernhof vor einer unsicheren Zukunft. Landwirt Wolfgang Kegreiß sieht seine Existenz durch den geplanten Bau der neuen Stadtbahnlinie U13 bedroht. Über ein Drittel seiner Ackerfläche könnte verloren gehen, wenn die 3,2 Kilometer lange Verlängerung der Trasse nach Münster wie geplant umgesetzt wird.
«Man nimmt uns die Lebensgrundlage«, sagt Kegreiß, während er über sein Land blickt, das seine Familie seit Generationen bewirtschaftet. Der Hof produziert vor allem Gemüse für die regionale Vermarktung. Die Stadtbahn würde direkt durch seine besten Ackerflächen führen. Besonders bitter: Die Alternativroute, die seine Flächen verschont hätte, wurde verworfen.
Die Stadtverwaltung betont den Nutzen der neuen Verbindung für tausende Pendler. «Wir versuchen, die Eingriffe so gering wie möglich zu halten», erklärt Verkehrsbürgermeister Hannes Weber. Doch für Ausgleichsflächen, die dem Landwirt angeboten wurden, hat Kegreiß nur ein müdes Lächeln übrig: «Die liegen weit entfernt und sind qualitativ minderwertig.»
Als ich den Hof besuche, spüre ich die Verzweiflung der Familie. Der Fall zeigt beispielhaft das Spannungsfeld zwischen Verkehrswende und Existenzen in der Landwirtschaft. Auch andere Bauern in der Region fürchten ähnliche Konflikte.
Der Gemeinderat wird im Herbst über die endgültige Trassenführung entscheiden. Bis dahin kämpft Kegreiß weiter – mit Unterschriften, Protestaktionen und Gesprächen mit Politikern. Die Frage bleibt: Wie viel ist uns regionale Landwirtschaft wert, wenn es um den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs geht?