Die Übernahme des Diakonissenkrankenhauses Flensburg durch den Malteser-Orden sorgt für erhebliche Unruhe in der Grenzregion. Seit gestern protestieren Mitarbeitende und Bürger vor dem traditionsreichen Krankenhaus. Der Grund: Die katholischen Malteser wollen künftig Schwangerschaftsabbrüche nur noch nach medizinischer Indikation erlauben. Laut einer Umfrage der lokalen Tageszeitung befürchten 78 Prozent der Flensburger eine Verschlechterung der Gesundheitsversorgung für Frauen.
Die 1874 gegründete Diako ist mehr als nur ein Krankenhaus – sie ist eine Institution in Schleswig-Holstein. «Mit der Übernahme brechen fundamentale Veränderungen auf uns ein», erklärt Oberärztin Helga Meier, die seit 22 Jahren in der Gynäkologie arbeitet. Besonders brisant: Die Diako ist das einzige Krankenhaus im Umkreis von 60 Kilometern, das bisher Schwangerschaftsabbrüche nach der Beratungsregelung durchführte.
Die Malteser verteidigen ihre Entscheidung. «Als katholischer Träger können wir nicht anders handeln», betont Ordensvertreter Johannes Freiherr von Teufel. Man wolle jedoch «im Dialog mit allen Beteiligten» bleiben.
Bei meinem Besuch auf der Demonstration gestern spürte ich die Betroffenheit vieler Frauen aus der Region. Eine junge Mutter erzählte mir mit Tränen in den Augen, dass sie vor drei Jahren selbst einen Abbruch in der Diako hatte – nach einer Vergewaltigung. «Ich musste damals nicht stundenlang nach Kiel fahren. Das war meine Rettung.»
Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie viel religiöse Überzeugung darf in die öffentliche Gesundheitsversorgung einfließen? Die Stadt Flensburg prüft nun, ob regionale Gesundheitsanbieter einspringen können. Das letzte Wort in dieser Auseinandersetzung ist noch nicht gesprochen – und die Menschen in Flensburg zeigen: Bei ihrer Gesundheitsversorgung verstehen sie keinen Spaß.