Artikel – Die größte Kartoffelspende Berlins erreichte heute früh die Hauptstadt: 22 Tonnen frische Kartoffeln für Menschen in Not. Der Brandenburger Landwirt Frank Schulz übergab seine Ernte an die Berliner Tafel, die damit etwa 6.500 Bedürftige versorgen kann. Bei eisigen Temperaturen warteten bereits hunderte Menschen vor der Ausgabestelle im Bezirk Wedding.
«Für viele unserer Gäste sind Kartoffeln ein Grundnahrungsmittel, das im Winter besonders wichtig ist», erklärt Sabine Meyer, Vorstandsmitglied der Berliner Tafel. Die Organisation verzeichnet seit Monaten einen Anstieg der Bedürftigen um fast 20 Prozent. Besonders Rentnerinnen und Rentner sowie Familien mit Kindern suchen Hilfe.
Landwirt Schulz, der seinen Hof südlich von Berlin betreibt, blickt auf eine besondere Ernte zurück: «Die Herbstfeuchtigkeit hat uns dieses Jahr geholfen. Trotz Klimawandel konnten wir mehr ernten als erwartet.» Für ihn ist die Spende eine Herzensangelegenheit. Bereits zum dritten Mal beteiligt er sich an der Aktion.
Ich beobachte, wie zwei ältere Damen die Kartoffeln dankbar entgegennehmen. «Das reicht für drei Wochen», sagt eine von ihnen und lächelt. Mein Blick fällt auf ihre abgetragenen Handschuhe – ein stiller Zeuge der steigenden Armut in unserer Hauptstadt.
Die Berliner Tafel kämpft mit logistischen Herausforderungen. «Unsere Kühlräume sind begrenzt, deshalb müssen wir schnell verteilen», erläutert Meyer. Freiwillige packen an, sortieren die Kartoffeln in kleinere Netze um. Die Stimmung ist trotz Kälte positiv.
Was bleibt, ist die Frage, warum solche Aktionen überhaupt nötig sind in einem reichen Land wie Deutschland. Während die Politik über Sozialleistungen diskutiert, werden die Schlangen vor den Tafeln länger. Die Kartoffeln helfen heute – doch morgen?