Die Verkehrswende in Hamburg kommt kaum voran. Vier Jahre nach der großen Mobilitätswende-Ankündigung des rot-grünen Senats zeigen aktuelle Zahlen eine ernüchternde Bilanz: Lediglich 22 von geplanten 280 Kilometern Radwegen wurden neu gebaut. Auch bei der Reduktion des Autoverkehrs ist Hamburg weit hinter den eigenen Zielen zurückgeblieben.
«Die Stadt hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht», kritisiert Dirk Lau vom ADFC Hamburg. Der Fahrradclub bemängelt besonders die langsame Umsetzung der Velorouten und fehlende geschützte Radwege. In der Innenstadt stauen sich weiterhin die Autos, während Fahrradfahrer oft gefährliche Situationen meistern müssen.
Der Verkehrsexperte Benjamin Harders sieht strukturelle Probleme: «Hamburg hat zu viele Verwaltungsebenen, die sich gegenseitig blockieren.» Tatsächlich liegt ein Teil der Verantwortung bei den Bezirken, ein anderer bei der Verkehrsbehörde – eine klassische Hamburger Verzettelung, die ich schon bei anderen Großprojekten beobachten konnte.
Die einst hoffnungsvollen Ankündigungen von einer «Mobilitätswende bis 2030» klingen mittlerweile hohl. In den Stadtteilen wie Barmbek oder Eimsbüttel stehen parkende Autos weiterhin über beide Gehwegseiten, während der versprochene Ausbau des ÖPNV nur schleppend vorankommt. Lediglich die Anzahl der Sharing-Angebote ist gestiegen – doch auch hier herrscht Wildwuchs statt Konzept.
Besonders betroffen sind Familien und ältere Menschen. «Ich würde gerne öfter mit meinen Kindern Rad fahren, aber auf vielen Straßen ist es einfach zu gefährlich», erzählt die Ottensener Anwohnerin Martina Klose. Solche Aussagen höre ich bei meinen Recherchen immer wieder.
Was Hamburg jetzt braucht, ist ein behördenübergreifendes Konzept mit klaren Verantwortlichkeiten. Die Stadt muss entscheiden: Will sie wirklich eine Verkehrswende oder nur darüber reden? Die Bürger jedenfalls scheinen bereit – jetzt müssen die Verantwortlichen nachziehen.