Die Stille des Hochhauses an der Lindwurmstraße im Münchner Stadtteil Sendling ist beinahe gespenstisch. Was einst das höchste Gebäude der Stadt war, steht seit über zwei Jahren komplett leer. 78 Meter ragt der markante Turm in den Himmel, doch hinter den Fenstern: gähnende Leere. Nach Schätzungen des Münchner Mietervereins fehlen in der Stadt über 50.000 Wohnungen.
Das Hochhaus wurde 1969 fertiggestellt und galt damals als architektonischer Meilenstein. Bis 2021 beherbergte es die Verwaltung der Landesbausparkasse (LBS), die dann in einen Neubau am Stadtrand umzog. Seitdem steht der Komplex leer. «In einer Stadt mit extremer Wohnungsnot ist jeder ungenutzte Quadratmeter eigentlich ein Skandal», sagt Beatrix Zurek, Vorsitzende des Münchner Mietervereins.
Die Eigentümerin, die Bayerische Landesbank, plant eine umfassende Sanierung des in die Jahre gekommenen Gebäudes. Die veraltete Haustechnik, problematische Brandschutzmaßnahmen und energetische Mängel machen eine komplette Modernisierung unumgänglich. Ein Abriss wurde nach Prüfung verworfen – aus Nachhaltigkeitsgründen.
Als ich vor einigen Monaten das Gebäude besichtigte, konnte ich noch die Reste des früheren Bürolebens erkennen: verlassene Schreibtische, leere Kaffeeküchen und sogar ein vergessener Topfpflanzenstängel. Ein Sinnbild für den Wandel der Arbeitswelt, der durch Corona zusätzlich beschleunigt wurde.
Nun soll der Turm ein gemischtes Konzept aus Büros, Gastronomie und möglicherweise auch Wohnungen erhalten. Die Planungen laufen, die Baugenehmigungen sind beantragt. Bis zur Fertigstellung werden allerdings noch mindestens drei Jahre vergehen. Eine lange Zeit für ein so prominentes Gebäude im Herzen Münchens. Manche fragen sich: Könnte man den leerstehenden Raum nicht übergangsweise nutzen?