Nach einer Welle gewalttätiger Auseinandersetzungen in Berlin warnen die Sicherheitsbehörden vor einem neuen Phänomen: Kriminelle Banden fliegen gezielt Täter für Gewalttaten ein. Diese beunruhigende Entwicklung offenbarte der Berliner Polizeipräsident Barbara Slowik bei einer Pressekonferenz gestern im Roten Rathaus. «Wir beobachten, dass Täter für konkrete Aktionen nach Berlin eingeflogen werden», erklärte Slowik.
Die Dynamik der Bandenkonflikte hat sich in den letzten Monaten deutlich verändert. Während früher lokale Gruppierungen vorherrschten, sehen wir heute internationale Verflechtungen. Allein im ersten Quartal 2024 zählte die Polizei über 30 gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Gruppen – meist im Zusammenhang mit Drogenhandel und Schutzgelderpressung.
«Die Täter kommen aus dem europäischen Ausland, bleiben nur wenige Tage und verschwinden dann wieder», berichtet ein Ermittler der Abteilung Organisierte Kriminalität. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat mittlerweile eine Sonderkommission eingerichtet.
Als ich vor einigen Jahren über Bandenkriminalität in Baden-Württemberg berichtete, gab es diese internationale Dimension noch nicht in diesem Ausmaß. Die Professionalisierung ist besorgniserregend.
Besonders der Bezirk Neukölln bleibt ein Brennpunkt. Ein Bewohner, der anonym bleiben möchte, berichtet: «Nachts hören wir regelmäßig Schüsse. Viele Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr allein draußen spielen.»
Die Polizei hat ihre Präsenz in den betroffenen Kiezen verstärkt und führt vermehrt Kontrollen durch. Doch die Herausforderungen bleiben gewaltig. «Wir brauchen eine europaweite Strategie«, fordert Berlins Innensenatorin Iris Spranger.
Die Entwicklung zeigt, wie dynamisch sich organisierte Kriminalität verändert. Für die Hauptstadt bedeutet dies eine neue Dimension der Herausforderung. Die Frage bleibt: Kann Berlin diesen importierten Konflikt eindämmen, oder wird die Stadt zum Austragungsort internationaler Bandenkriege?