In Untergiesing-Harlaching türmen sich seit Wochen die Berge aus Unrat neben der Wertstoffinsel an der Reichenhaller Straße. Was als Sammelstelle für Glas, Papier und Verpackungen gedacht war, hat sich zu einer wilden Müllhalde entwickelt. Anwohner berichten von Ratten, die zwischen den illegal abgeladenen Müllsäcken, alten Möbeln und sogar Fäkalien umherstreifen. Nach Angaben des Abfallwirtschaftsbetriebs München (AWM) häufen sich die Beschwerden aus dem Viertel seit Anfang des Jahres.
«Es ist unerträglich geworden», sagt Anwohnerin Monika Fiedler (58), die seit 20 Jahren in der Nachbarschaft lebt. «Früher war das hier sauber, jetzt traue ich mich abends kaum noch vorbei.» Besonders nach Wochenenden sieht die Situation verheerend aus. Neben den regulären Containern stapeln sich ausrangierte Elektrogeräte, kaputte Kinderwagen und Bauabfälle – obwohl die nächste Wertstoffhoffiliale nur drei Kilometer entfernt ist.
Der AWM räumt die Flächen zwar regelmäßig, kommt aber kaum hinterher. «Wir reinigen die Standorte in der Reichenhaller Straße mittlerweile viermal pro Woche, aber am nächsten Tag sieht es oft wieder gleich aus», erklärt AWM-Sprecherin Christina Martens. Das Problem: Die illegale Entsorgung sei schwer zu ahnden, da die Verursacher selten auf frischer Tat ertappt werden.
Ich habe in meinen fast zwanzig Jahren als Reporterin viele Brennpunkte besucht, aber die Situation in Untergiesing zeigt exemplarisch, wie schnell sich Verwahrlosung ausbreiten kann. Einige Container sind mit Graffiti beschmiert, zerbrochene Flaschen machen den Weg gefährlich, und der beißende Geruch ist schon von weitem wahrzunehmen.
Der Bezirksausschuss hat das Thema auf die Tagesordnung gesetzt. Diskutiert werden temporäre Videoüberwachung, höhere Bußgelder und zusätzliche Hinweisschilder. «Wir brauchen dringend eine Lösung», betont Bezirksausschussmitglied Thomas Weber. «Das ist nicht nur ein ästhetisches, sondern mittlerweile auch ein Gesundheitsproblem.»
Die Erfahrungen aus anderen Stadtteilen zeigen: Ohne konsequente Kontrollen und das Mitwirken der Anwohner lässt sich das Problem kaum lösen. Bis dahin bleibt die Wertstoffinsel in Untergiesing ein trauriges Symbol dafür, wie schnell aus Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit ein Ärgernis für eine ganze Nachbarschaft werden kann.