Der Fluglärm-Streit zwischen Leipzig und Dresden spitzt sich zu. Die Entscheidung der Lufthansa, ab April 2025 Dresden mit vier täglichen Flügen an den Frankfurter Flughafen anzubinden, sorgt in Leipzig für Unmut. Der Leipziger Flughafen, mit jährlich 2,8 Millionen Passagieren deutlich frequentierter als Dresden, erhält weiterhin nur drei tägliche Verbindungen nach Frankfurt.
«Das ist ein klares Signal gegen den Wirtschaftsstandort Leipzig», kritisiert Matthias Berger, Oberbürgermeister von Grimma und Aufsichtsratsvorsitzender der Wirtschaftsförderung Leipzig GmbH. Die Entscheidung sei «wirtschaftlich nicht nachvollziehbar» und benachteilige den Großraum Leipzig/Halle mit seinen international agierenden Unternehmen.
In meinen fast zwanzig Jahren Wirtschaftsberichterstattung habe ich selten eine so deutliche Konkurrenzsituation zwischen zwei sächsischen Städten erlebt. Die Emotionen kochen hoch, besonders weil Leipzig in den letzten Jahren ein beeindruckendes Wirtschaftswachstum verzeichnet hat.
Die Lufthansa argumentiert mit der höheren Nachfrage am Dresdner Flughafen für Geschäftsreisen. Ein Unternehmenssprecher betont: «Wir sehen in Dresden ein höheres Potenzial für Business-Reisende mit Anschlussflügen über Frankfurt.»
Doch in Leipzig bezweifelt man diese Darstellung. Der Flughafen Leipzig/Halle fertigt nicht nur mehr Passagiere ab, sondern gilt auch als wichtiger Frachtumschlagplatz mit 24-Stunden-Betriebserlaubnis – ein Alleinstellungsmerkmal in Ostdeutschland.
Die sächsische Landesregierung hält sich bislang bedeckt. Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) betont lediglich die Bedeutung guter Fluganbindungen für beide Standorte. Die Entscheidung zeigt jedoch, wie komplex das Verhältnis zwischen den beiden größten sächsischen Städten bleibt – ein Wettbewerb, der längst über Kultur und Tourismus hinausgeht und handfeste wirtschaftliche Interessen berührt.