In Berlin demonstrieren heute Tausende Menschen für eine schnellere und sozial gerechte Agrarwende. «Wir haben die Nase voll von leeren Versprechen!» ruft ein Biobauer aus Niedersachsen ins Mikrofon. Während im Messezentrum die Grüne Woche stattfindet, haben sich laut Polizeiangaben rund 7.500 Menschen vor dem Brandenburger Tor versammelt – deutlich mehr als die erwarteten 5.000 Teilnehmer.
Die Protestierenden kommen aus unterschiedlichen Lagern: Kleinbauern, Umweltschützer und Verbraucherinitiativen ziehen diesmal an einem Strang. Ihre Hauptforderung: Die Umverteilung der Agrarsubventionen, die bisher vor allem Großbetrieben zugutekommen. «Wir brauchen ein System, das nicht die Fläche, sondern nachhaltige Landwirtschaft belohnt», erklärt Monika Weissgerber vom Bündnis «Zukunft statt Agrarindustrie«.
Seit der gescheiterten Agrarreform 2024 wächst der Frust. Ich habe in den vergangenen zwei Jahren auf Höfen quer durch die Republik beobachtet, wie besonders kleine Betriebe unter dem Preisdruck leiden. Ein Milchbauer aus dem Allgäu berichtet mir am Rande der Demo: «Viele meiner Nachbarn haben bereits aufgegeben.»
Die Bundesregierung reagiert verhalten. Landwirtschaftsminister Schulz verweist auf das neue Förderprogramm für Familienbetriebe, das jedoch von Kritikern als «Tropfen auf dem heißen Stein» bezeichnet wird. Mehrere Studien belegen: Ohne grundlegende Änderungen werden bis 2030 weitere 30 Prozent der kleineren Höfe verschwinden.
Die Stimmung auf der Demonstration ist entschlossen. «Es geht nicht nur um uns Bauern», sagt eine junge Landwirtin aus Brandenburg, «sondern um die Frage, wie wir alle in Zukunft leben wollen.» Die Antwort darauf wird nicht nur in Berlin, sondern an jedem einzelnen Esstisch entschieden werden müssen.