In München steht ein Gebäude, das einst Rekorde brach, heute aber völlig leer und verlassen ist. Das Hochhaus an der Großmarkthalle in Sendling, das 1999 fertiggestellt wurde und mit seinen 17 Stockwerken damals als höchstes Bürogebäude der Stadt galt, wird von den Münchnerinnen und Münchnern kaum noch wahrgenommen. Dabei prägt es die Skyline im Süden der Stadt nach wie vor deutlich.
Die Geschichte des Gebäudes ist überraschend. Nach nur 20 Jahren Nutzung musste es 2019 komplett geräumt werden. Der Grund: Brandschutzmängel, die so gravierend waren, dass eine weitere Nutzung unmöglich wurde. Wie konnte es dazu kommen? «Die Bauvorschriften haben sich seit den 90er Jahren massiv verändert», erklärt Matthias Weber, Architekt und Experte für Hochhausbau. «Was damals genehmigt wurde, entspricht heute oft nicht mehr den Standards.»
Besonders bitter: Die Stadt München als Eigentümerin steht vor einem Dilemma. Eine Sanierung würde laut Schätzungen mindestens 50 Millionen Euro kosten. Abriss und Neubau wären kaum günstiger. Die ehemaligen Mieter – hauptsächlich städtische Referate – wurden auf andere Standorte verteilt.
Wenn ich an dem Gebäude vorbeifahre, wirkt es wie ein Mahnmal für übereilte Bauprojekte. Die leeren Fenster scheinen fragend auf die Stadt zu blicken. In Zeiten akuter Büroraumnot in München ist der Leerstand besonders paradox.
Die Zukunft des Hochhauses bleibt ungewiss. Der Stadtrat ringt seit Jahren um eine Lösung. Bis dahin steht das einst stolze Gebäude weiter leer – ein stummer Zeuge vergangener Bauvorschriften und aktueller städtischer Finanzprobleme. Was sagt es über unsere Stadt aus, wenn wir uns weder Abriss noch Sanierung leisten können?