In Köln hat gestern das erste neue Karrierecenter der Bundeswehr seinen Betrieb aufgenommen. Nach über 13 Jahren Pause werden hier wieder junge Menschen gemustert. Im modernen Ambiente können sich Interessierte über Karrieremöglichkeiten informieren und ihre Tauglichkeit prüfen lassen.
Die alten, grauen Musterungsbehörden sind Geschichte. «Wir wollen weg vom Kellerbunker-Image», erklärt Oberstleutnant Thomas Neiße, der das neue Zentrum leitet. Hell und freundlich wirken die Räume, in denen die körperliche und psychische Eignung für den Militärdienst festgestellt wird. Bis zu 40 Bewerberinnen und Bewerber können täglich untersucht werden.
«Es geht um eine moderne Einstellung», betont Verteidigungsminister Boris Pistorius, der zur Eröffnung angereist war. Er sieht in den neuen Zentren einen wichtigen Baustein im Kampf gegen den Personalmangel. Die Bundeswehr braucht dringend Nachwuchs – aktuell sind rund 20.000 Stellen unbesetzt.
Was mich bei meinem Besuch besonders beeindruckt: Die Atmosphäre ist entspannt, fast wie in einer modernen Arztpraxis. Weit weg von den Erzählungen meines Vaters über die Musterung in den 80ern. Die jungen Männer und Frauen werden respektvoll behandelt, Fragen werden geduldig beantwortet.
Bis 2027 sollen bundesweit 18 solcher Karrierecenter entstehen. Die Einführung der Musterung ist allerdings noch kein Signal für die Rückkehr zur Wehrpflicht. Es geht zunächst darum, das Personal für die bestehenden Strukturen zu finden. Doch angesichts der Bedrohungslage in Europa bleibt die Frage: Reicht das freiwillige Modell noch aus?