In Dresden stehen seit Kurzem die ersten Häuser aus dem 3D-Drucker – eine mögliche Antwort auf die wachsende Wohnungsnot. Die Vonovia hat gemeinsam mit der TU Dresden zwei Doppelhäuser mit insgesamt vier Wohneinheiten im Stadtteil Striesen errichtet. Jede Wohnung misst 60 Quadratmeter. Nach nur zwei Wochen Druckzeit standen die Rohbauten, die nun bezugsfertig sind.
Vom Fundament bis zum Dach dauerte der gesamte Bauprozess fünf Monate – ein Zeitgewinn gegenüber konventionellen Methoden. Prof. Viktor Mechtcherine von der TU Dresden erklärt: «Der 3D-Druck ermöglicht eine deutlich schnellere Bauweise bei gleichzeitig höherer Flexibilität in der Gestaltung.» Der verwendete Spezialbeton wird Schicht für Schicht aufgetragen, was auch komplexe Formen erlaubt.
Die Baukosten liegen derzeit noch etwa 10 Prozent über dem herkömmlichen Bau, sollen aber perspektivisch sinken. Philip Grosse, Finanzvorstand bei Vonovia, sieht großes Potenzial: «Wir brauchen innovative Lösungen für bezahlbares Wohnen. Der 3D-Druck könnte ein Baustein sein.»
Auf dem Dresdner Wohnungsmarkt fehlen laut Stadtverwaltung aktuell rund 15.000 Wohnungen. Bei meinem Besuch der Baustelle fiel mir auf, wie die Passanten stehenblieben und die ungewöhnliche Bauweise bestaunten. Eine ältere Dame fragte mich skeptisch, ob «so ein gedrucktes Haus auch wirklich stabil ist».
Ob die neue Technik tatsächlich zur Lösung der Wohnungskrise beitragen kann, wird sich zeigen. Klar ist: Die Dresdner Häuser sind ein Pilotprojekt mit Signalwirkung. Die Baubranche steht vor einem Umbruch, der das Bauen grundlegend verändern könnte – wenn die Technik hält, was sie verspricht.