Article – Die Worte des mutmaßlichen Amokfahrers von München lassen aufhorchen. «Liebe Mama, die Welt wird untergehen.» Mit diesen Sätzen rief der 34-jährige Michael B. seine Mutter an – nur wenige Stunden bevor er im Mai 2023 mit seinem BMW durch die Münchner Fußgängerzone raste und dabei einen Radfahrer tötete und mehrere Menschen verletzte. Diese Enthüllungen kamen gestern beim Prozessauftakt vor dem Landgericht München ans Licht.
Der Angeklagte, der seit Jahren an einer paranoiden Schizophrenie leidet, wirkte beim Betreten des Gerichtssaals desorientiert. Statt einer Anklage wegen Mordes steht er in einem sogenannten Sicherungsverfahren. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt: Der Mann ist schuldunfähig, aber höchst gefährlich.
«Er fühlte sich verfolgt von dunklen Mächten», berichtet sein Verteidiger. Seit seiner Jugend habe Michael B. mit psychischen Problemen zu kämpfen. In seiner Wohnung fanden Ermittler wirre Notizen über angebliche Überwachung und Verschwörungen. Die Mutter des Angeklagten bestätigte vor Gericht unter Tränen: «Ich wusste, dass es ihm schlecht ging, aber ich konnte nicht ahnen, was er vorhatte.»
Als Polizeibeamtin Christine M. über die Tatrekonstruktion berichtete, wurde im Gerichtssaal die erschreckende Dimension deutlich. Mit mindestens Tempo 50 sei der BMW durch die Fußgängerzone gerast. «Die Menschen sprangen zur Seite, es war pures Glück, dass nicht mehr passiert ist», sagte die Ermittlerin.
Die Hinterbliebenen des getöteten Radfahrers verfolgten die Verhandlung mit gesenkten Köpfen. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die oft unzureichende Versorgung psychisch kranker Menschen. In meiner fast zwanzigjährigen Berichterstattung habe ich immer wieder erlebt, wie das System an genau solchen Fällen scheitert.
Kommende Woche werden psychiatrische Gutachter ihre Einschätzung abgeben. Für die Münchner Innenstadt, wo die Menschen noch immer verunsichert sind, geht es dabei um mehr als nur um juristische Fragen – es geht um das Gefühl von Sicherheit, das an jenem Maitag so brutal zerstört wurde.