Die Forderung nach Freiheit schallt durch die Dresdner Innenstadt. Mehr als 200 Menschen versammelten sich heute am Goldenen Reiter, um ihre Solidarität mit der iranischen Bevölkerung zu zeigen. Anlässlich des Jahrestags der Proteste nach dem Tod der jungen Kurdin Jina Mahsa Amini richteten sich die Demonstrierenden mit deutlichen Worten gegen das Regime in Teheran. Nach Polizeiangaben verlief die Kundgebung friedlich.
«Wir können nicht schweigen, während im Iran täglich Menschen für ihre Grundrechte sterben», sagt Maryam Kamali, eine der Organisatorinnen. Die 34-jährige Iranerin lebt seit fünf Jahren in Dresden und berichtet von Freunden und Verwandten, die unter der Repression leiden. Besonders erschüttert sie die jüngsten Hinrichtungen von Regimekritikern.
Auf dem Platz wehen zahlreiche rot-weiß-grüne iranische Flaggen ohne das Symbol der Islamischen Republik. Immer wieder rufen die Teilnehmenden «Frau, Leben, Freiheit» – der zentrale Slogan der iranischen Protestbewegung. Viele tragen Bilder von Inhaftierten oder Hingerichteten.
Als ich durch die Menge gehe, begegnen mir Menschen unterschiedlichster Herkunft. Da ist der ältere Dresdner, der erzählt, wie er vor 1979 im Iran gearbeitet hat und das Land seither nicht mehr besuchen konnte. Neben ihm steht eine Gruppe Studierender, die «Solidarität kennt keine Grenzen» auf ihre Schilder geschrieben haben.
Auch Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) sprach auf der Kundgebung: «Die Unterdrückung im Iran ist eine Mahnung an uns alle, für Menschenrechte und Demokratie einzustehen – hier und weltweit.»
Die Demonstrierenden fordern von der Bundesregierung mehr Druck auf das iranische Regime und die Einstufung der Revolutionsgarden als Terrororganisation. Der Protest in Dresden ist Teil einer weltweiten Aktionswoche.
Während die Demonstranten langsam auseinandergehen, bleibt die Frage: Wie lange noch werden Menschen im Iran für Freiheiten kämpfen müssen, die für uns selbstverständlich sind?