Die Nacht ist kühl in Berlin. Ein Obdachloser sucht Schutz unter seinem Zelt an der Osloer Straße im Bezirk Wedding. Was dann geschieht, erschüttert selbst erfahrene Ermittler. Ein Unbekannter zündet sein Zelt an – während der 47-Jährige darin schläft. Nur durch Glück überlebt der Mann. Nun fahndet die Polizei mit Videoaufnahmen nach dem Täter.
Der Vorfall ereignete sich bereits am 5. September gegen 23:45 Uhr. Der Obdachlose konnte sich noch rechtzeitig aus dem brennenden Zelt retten und erlitt nur leichte Verletzungen. Seine wenigen Habseligkeiten verbrannten vollständig. Die Polizei wertet die Tat als versuchtes Tötungsdelikt.
«Das ist kein Dummejungenstreich, sondern ein gezielter Angriff auf einen wehrlosen Menschen», erklärt Martin Schmidt, Sprecher der Berliner Obdachlosenhilfe. «Leider erleben wir immer wieder, dass Menschen ohne Obdach Opfer von Gewalt werden.»
Die Videoaufnahmen einer Überwachungskamera zeigen einen schlanken Mann mittleren Alters. Er trägt eine helle Jacke und eine Basecap. Fast beiläufig zündet er das Zelt an und entfernt sich dann vom Tatort. Die Mordkommission hat die Ermittlungen übernommen.
Als ich vor drei Jahren über die wachsende Obdachlosigkeit in Berlin berichtete, schilderten mir viele Menschen ohne Wohnung ihre Angst vor nächtlichen Übergriffen. Die Realität auf der Straße ist oft brutaler, als wir sie wahrnehmen wollen.
Die Polizei bittet die Öffentlichkeit um Mithilfe. Wer den Mann erkennt oder Hinweise geben kann, soll sich umgehend melden. Für Berlins Obdachlose ist dieser Vorfall ein weiterer Grund, nachts kein Auge zuzumachen. Die Frage bleibt: Wie schützen wir die Schwächsten unserer Gesellschaft vor solcher Unmenschlichkeit?