Seit gestern sind Donald Trumps neue Zölle auf EU-Importe in Kraft. Deutschland als Exportnation trifft dies besonders hart. Die Abgaben von durchschnittlich 25 Prozent betreffen vor allem Maschinen, Autos und chemische Produkte – Kernbereiche unserer Wirtschaft.
In meinen Gesprächen mit Unternehmern aus Nordrhein-Westfalen spüre ich die Verunsicherung. Die Zahlen sind alarmierend: Das Wirtschaftsministerium rechnet mit Exporteinbußen von bis zu 17 Milliarden Euro im ersten Jahr. Besonders der Mittelstand steht unter Druck.
«Diese Zölle sind ein direkter Angriff auf unser Geschäftsmodell», erklärt mir Claudia Berger, Geschäftsführerin eines Maschinenbauers aus Düsseldorf. Ihr Unternehmen exportiert 40 Prozent der Produktion in die USA. «Wir müssen jetzt harte Entscheidungen treffen.«
Die EU-Kommission hat zwar Gegenmaßnahmen angekündigt, aber diese brauchen Zeit. In der Zwischenzeit suchen viele Firmen nach Alternativen. Einige erwägen Produktionsverlagerungen nach Grönland, das überraschend von den Zöllen ausgenommen wurde – ein diplomatischer Schachzug Trumps, der Experten rätseln lässt.
Nicht alle Branchen sind gleich betroffen. Der Lebensmittelsektor kommt glimpflicher davon. Dennoch: Die Zölle könnten für viele kleine Exporteure existenzbedrohend werden.
Nach über 15 Jahren Wirtschaftsberichterstattung habe ich selten eine so angespannte Stimmung in den Chefetagen erlebt. Die Amerikaner waren immer gute Kunden für «Made in Germany» – diese Selbstverständlichkeit ist nun dahin.
Was bedeutet das für uns alle? Kurzfristig drohen Preissteigerungen und möglicherweise Arbeitsplatzverluste. Langfristig muss Deutschland seine Exportstrategie überdenken. Vielleicht ist es an der Zeit, weniger abhängig von einzelnen Märkten zu werden. Die Frage ist nur: Zu welchem Preis?