Die norddeutsche Transportbranche steht vor einem digitalen Umbruch, der neue Kooperationen erforderlich macht. In Hamburg suchen Logistikunternehmen aktuell nach Partnern aus der IT-Branche, um die Digitalisierung ihrer Abläufe voranzutreiben. Laut einer Erhebung des Logistik-Verbands Schleswig-Holstein fehlt fast 70 Prozent der Spediteure das technische Know-how für diesen Wandel.
Auf einer Branchenkonferenz im Hamburger Hafen trafen sich gestern über 200 Vertreter aus Logistik und Digitalwirtschaft. «Wir stehen unter enormem Wettbewerbsdruck durch internationale Plattformen», erklärte Carsten Meyer, Geschäftsführer einer mittelständischen Spedition aus Lübeck. «Ohne digitale Prozesse werden wir langfristig nicht überleben.»
Die Probleme sind vielfältig: veraltete IT-Systeme, Fachkräftemangel und hohe Investitionskosten. Gleichzeitig bietet die Digitalisierung Chancen für effizientere Routenplanung und bessere Auslastung. Als ich vor drei Jahren eine Reportage über die Branche schrieb, arbeiteten viele Spediteure noch mit Papierformularen und Excel-Tabellen. Heute sieht man immerhin vereinzelt digitale Flottenmanagement-Systeme.
Die Wirtschaftsbehörde Hamburg hat ein Förderprogramm aufgelegt, das Kooperationen zwischen Logistik- und IT-Unternehmen mit bis zu 50.000 Euro unterstützt. «Was im Silicon Valley an Mobilitätslösungen entwickelt wird, können wir hier in Norddeutschland besser», betonte Wirtschaftssenatorin Anna Müller.
Die Transportbranche befindet sich in einem Spannungsfeld zwischen Tradition und Digitalisierung. Der Druck wächst, doch gleichzeitig entstehen neue Chancen für regionale Zusammenarbeit. Ob die norddeutschen Logistiker den Anschluss finden? Das wird auch davon abhängen, wie schnell sie ihre Scheu vor der digitalen Transformation überwinden.