In der Nacht zum Mittwoch verwandelte sich der hessische Himmel für viele Beobachter in ein faszinierendes Naturschauspiel: Leuchtende Polarlichter in verschiedenen Rot- und Violetttönen waren vielerorts deutlich sichtbar. Das seltene Phänomen wurde durch einen besonders starken Sonnensturm ausgelöst, wie das Frankfurter Wetteramt bestätigte. Bis zu 500 begeisterte Anrufe gingen bei den Wetterstationen ein.
«So deutlich habe ich die Nordlichter in meinen 18 Jahren als Meteorologe hier in Hessen noch nie gesehen», berichtet Klaus Müller vom Deutschen Wetterdienst. Normalerweise sind Polarlichter in unseren Breitengraden eine Seltenheit. Sie entstehen, wenn elektrisch geladene Teilchen von der Sonne auf das Magnetfeld der Erde treffen und dabei Sauerstoff- und Stickstoffmoleküle in der Atmosphäre zum Leuchten bringen.
Besonders beeindruckend war das Himmelsspektakel für Menschen in der Rhön und im Taunus. «Wir hatten eigentlich einen ruhigen Filmabend geplant, aber dann hat mein Sohn auf Instagram gesehen, dass Polarlichter zu sehen sind», erzählt Sabine Wehner aus Bad Homburg. «Wir sind sofort auf den Feldberg gefahren – dort standen schon hunderte Menschen mit Kameras.»
Nach meinen Beobachtungen während einer Recherchereise in Nordhessen vergangene Woche überrascht mich die Begeisterung nicht: Trotz aller Herausforderungen suchen die Menschen verstärkt nach verbindenden Erlebnissen in der Natur.
Für alle, die das Himmelsschauspiel verpasst haben, gibt es gute Nachrichten: Die erhöhte Sonnenaktivität könnte in den kommenden Nächten für weitere Polarlichter sorgen. «Am besten sucht man sich einen dunklen Ort abseits der Städte und schaut Richtung Norden», rät Hobby-Astronom Peter Kraft aus Kassel. Vielleicht eine Gelegenheit, in diesen aufgewühlten Zeiten gemeinsam innezuhalten und den Blick nach oben zu richten?