In Köln setzt sich ein neuer Trend durch: immer mehr Menschen verzichten auf Alkohol oder reduzieren ihren Konsum deutlich. Nach Angaben der AOK Rheinland/Hamburg trinken mittlerweile 37 Prozent der Kölnerinnen und Kölner gar keinen Alkohol mehr. Besonders junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren leben zunehmend alkoholfrei – hier liegt der Anteil sogar bei 41 Prozent.
Der Wandel ist auch in der Gastronomie spürbar. Viele Bars und Restaurants in der Domstadt haben ihr Angebot angepasst und bieten inzwischen kreative alkoholfreie Alternativen an. «Die Nachfrage nach hochwertigen Drinks ohne Alkohol ist in den letzten zwei Jahren regelrecht explodiert», berichtet Lisa Müller, Betreiberin einer Cocktailbar im Belgischen Viertel.
Auch die Kölner Brauereien haben den Trend erkannt. Fast jede traditionelle Brauerei hat mittlerweile alkoholfreie Varianten ihres Kölsch im Sortiment. «Früher wurde man schief angeschaut, wenn man alkoholfrei bestellt hat. Heute ist das völlig normal», erklärt Ernährungsberaterin Stefanie Weber.
Gesundheitliche Gründe spielen dabei eine wichtige Rolle. «Viele meiner Patientinnen und Patienten berichten von besserer Schlafqualität und mehr Energie im Alltag, seit sie auf Alkohol verzichten», so Dr. Thomas Neumann vom Kölner Gesundheitszentrum.
Als ich letzte Woche durch die Ehrenstraße schlenderte, fiel mir auf, wie viele junge Menschen mit bunten alkoholfreien Getränken an den Tischen saßen – ein Bild, das vor fünf Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Besonders im Studentenviertel rund um die Universität scheint der bewusste Verzicht zum Lifestyle geworden zu sein.
Experten sehen darin einen gesellschaftlichen Wandel. «Die Generation Z definiert sich weniger über Alkoholkonsum als frühere Generationen», erläutert Sozialforscher Prof. Hendrik Schäfer von der Universität Köln. «Gesundheit und mentales Wohlbefinden stehen stärker im Fokus.»
Bleibt die Frage, ob der Trend auch die Karnevalssession erfassen wird – traditionell eine Zeit hohen Alkoholkonsums in Köln. Erste Veranstalter planen bereits spezielle alkoholfreie Bereiche bei Sitzungen. Die «nüchterne Revolution» scheint jedenfalls mehr als nur eine vorübergehende Erscheinung zu sein.