Im Schatten der Startbahnen kämpfen die Anwohner um ihre Ruhe. Mehr als 30 Bürgerinitiativen aus dem Rhein-Main-Gebiet haben gestern in Frankfurt konkrete Forderungen an die Politik gestellt. Ihr Ziel: strengere Gesetze gegen Fluglärm und mehr Nachtruhe. Nach offiziellen Zahlen sind rund 343.000 Menschen im Umkreis des Flughafens von gesundheitsschädlichem Lärm betroffen.
«Die Grenzen des Wachstums sind erreicht», sagt Thomas Scheffler, Sprecher des Bündnisses der Bürgerinitiativen. «Wir brauchen ein neues Luftverkehrsgesetz, das den Gesundheitsschutz über wirtschaftliche Interessen stellt.» Viele Betroffene klagen über Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten. Wissenschaftliche Studien belegen einen Zusammenhang zwischen Fluglärm und erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Die Forderungen der Initiativen sind deutlich: Eine echte Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr, Begrenzung der Flugbewegungen auf maximal 380.000 pro Jahr und strengere Lärmgrenzwerte. Aktuell sind bis zu 500.000 Flugbewegungen genehmigt.
Immer wieder berichten mir Menschen bei meinen Recherchen in den Gemeinden rund um den Flughafen, wie der Lärm ihren Alltag bestimmt. «Wir können im Sommer nicht mal mehr im Garten sitzen«, erzählte mir eine Anwohnerin aus Flörsheim. Diese persönlichen Schicksale gehen oft unter, wenn über «Wirtschaftsmotor Flughafen» gesprochen wird.
Die Flughafengesellschaft Fraport verweist auf bereits umgesetzte Lärmschutzmaßnahmen und betont die wirtschaftliche Bedeutung des Airports für die Region. Der Konflikt spiegelt ein grundsätzliches Dilemma wider: Wie viel Lärmbelastung ist für Wirtschaftswachstum vertretbar? Eine Frage, die nicht nur in Frankfurt, sondern in allen Flughafenregionen Deutschlands neu verhandelt werden muss.