Der Stau im Großstadtdschungel von Dresden wird immer schlimmer. Pendler verlieren durchschnittlich 78 Stunden pro Jahr im stockenden Verkehr – mehr als drei volle Tage ihres Lebens. Das zeigt das aktuelle Stau-Ranking des Verkehrsdatenanbieters TomTom. Dresden belegt damit bundesweit Platz 6 der staureichsten Städte und klettert im Vergleich zum Vorjahr um zwei Positionen nach oben.
Die Zahlen sind alarmierend: In der morgendlichen Rush-Hour brauchen Autofahrer für eine normalerweise 30-minütige Strecke bis zu 48 Minuten. «Die Belastung auf den Hauptverkehrsadern hat seit dem Ende der Corona-Beschränkungen kontinuierlich zugenommen», erklärt Verkehrsplanerin Julia Neumann vom Dresdner Mobilitätsinstitut. Besonders betroffen sind die Carolabrücke, der Pirnaische Platz und die Königsbrücker Straße.
Bemerkenswert ist auch, dass die Staubelastung nicht mehr nur zu den klassischen Stoßzeiten auftritt. «Wir beobachten eine Verbreitung der Stauzeiten über den gesamten Tag», sagt Stadtrat Thomas Weber. «Die Flexibilisierung der Arbeitszeiten hat zwar die Morgenspitze etwas entschärft, dafür stauen wir uns jetzt länger.»
Ich erinnere mich noch gut, wie ich vor zwanzig Jahren als junge Reporterin die ersten Verkehrsberichte aus Dresden verfasst habe. Damals war ein Stau noch die Ausnahme, heute ist er die Regel. Bei meinem letzten Besuch in der Elbmetropole brauchte ich vom Hauptbahnhof bis zum Stadion statt der üblichen 15 mehr als 45 Minuten.
Stadtplaner setzen nun verstärkt auf den Ausbau des ÖPNV und neue Radwege. Ein umfassendes Mobilitätskonzept soll bis 2027 die Verkehrsbelastung um 20 Prozent senken. Ob dies gelingt, bleibt fraglich. Denn wie das Stau-Ranking zeigt: Wo Menschen Autos lieben, steht man eben auch gemeinsam.