Die Landesregierung Niedersachsen rückt ihr Bundesland mit einer neuen Imagekampagne ins Rampenlicht. «We are the North» lautet der Slogan, mit dem das Land zwischen Nordsee und Harz künftig für sich werben will. Nach jahrelanger Vorbereitung präsentierte Ministerpräsident Stephan Weil das Konzept gestern in Hannover – erstmals wird eine einheitliche Außendarstellung für alle Bereiche von Tourismus bis Wirtschaftsförderung geschaffen.
Die Idee dahinter: Niedersachsen soll endlich aus dem Schatten anderer Regionen heraustreten. «Viele Menschen außerhalb Niedersachsens können mit unserem Land wenig anfangen», erklärte Weil. Tatsächlich zeigen Umfragen, dass Niedersachsen oft mit Nordrhein-Westfalen verwechselt wird. Ein Drittel der Befragten ordnete sogar Bielefeld fälschlicherweise Niedersachsen zu.
Die neue Kampagne betont bewusst die Nähe zu Hamburg und Berlin. Ein gewagter Schritt, wie ich finde, nachdem das Land jahrelang seine Eigenständigkeit betonte. Doch die Strategie folgt einem klaren Kalkül: Die Strahlkraft der Metropolen soll auf Niedersachsen abfärben.
Wirtschaftsminister Olaf Lies sieht darin vor allem Chancen für den Arbeitsmarkt: «Wir müssen zeigen, dass wir mehr sind als Landwirtschaft und VW.» Die Kampagne kostet im ersten Jahr rund 600.000 Euro aus dem Landeshaushalt. Kritik kommt von der CDU-Opposition, die von «Etikettenschwindel» spricht.
Bei meinen Recherchen in Hannover spürte ich, wie sehr die Niedersachsen selbst auf ein klareres Profil hoffen. «Wir haben so viel zu bieten, aber keiner weiß es», sagte mir eine Gastronomiebetreiberin am Maschsee.
Die Frage bleibt: Kann ein simples «We are the North» wirklich das Image eines ganzen Bundeslandes verändern? Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Niedersachsen es schafft, aus dem Windschatten von NRW und Schleswig-Holstein hervorzutreten.