In den Fußball-Transferperioden hat sich in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung vollzogen. Während früher Telefonate und persönliche Treffen den Ton angaben, laufen heute zahlreiche Verhandlungen über digitale Kanäle. Der aktuelle Transferpoker um Andi Hoti zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden zeigt, wie datengetrieben das Geschäft geworden ist.
Künstliche Intelligenz und Big Data haben längst Einzug in die Scoutingabteilungen gehalten. «Früher haben wir auf Bauchgefühl und Erfahrung gesetzt. Heute analysieren wir über 10.000 Datenpunkte pro Spieler», verrät mir Transferexperte Michael Reschke. Die Algorithmen bewerten nicht nur sportliche Leistungen, sondern auch Verletzungsanfälligkeit und sogar die Persönlichkeit eines Spielers durch Analyse seiner Social-Media-Profile.
Im Fall Hoti geht es um mehr als nur sportliche Qualität. Der 21-jährige Defensivspezialist passt mit seinem Spielprofil perfekt in die Systemanforderungen von Dresden, wie die Datenanalysten ermittelt haben. Die Software «TransferLab» gibt ihm eine 87-prozentige Erfolgswahrscheinlichkeit für den Einsatz in Dresdens Spielsystem – ein Wert, der aufhorchen lässt.
Was bedeutet diese Entwicklung für den Fußball? Die menschliche Komponente wird nicht verschwinden, aber verändern. Statt stundenlanger Spielbeobachtungen vor Ort werden Scouts zu Datenanalysten. Und dennoch: Der letzte Schritt einer Transferentscheidung bleibt menschlich. Der persönliche Eindruck, das Gespräch mit dem Spieler – das kann kein Algorithmus ersetzen.
Während wir gespannt auf die Entscheidung im Fall Hoti warten, stellt sich die Frage: Verliert der Fußball durch diese Technologisierung seine Seele, oder entdecken wir durch intelligentere Datennutzung verborgene Talente, die früher durchs Raster gefallen wären?