Article – In Dresden haben hunderte Kurdinnen und Kurden heute für die autonome Region Rojava im Norden Syriens demonstriert. Etwa 300 Menschen zogen am Nachmittag vom Hauptbahnhof durch die Innenstadt zum Albertplatz. Der unangekündigte Protestmarsch legte zeitweise Teile des öffentlichen Nahverkehrs lahm.
«Rojava verteidigen!» und «Jin, Jiyan, Azadî» (Frau, Leben, Freiheit) skandierten die Demonstrierenden. Hintergrund sind die verstärkten Luftangriffe der türkischen Armee auf die kurdischen Gebiete in Nordsyrien in den vergangenen Wochen. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden dabei mehr als 40 Zivilisten getötet.
«Wir können nicht schweigen, während unsere Familien bombardiert werden», sagte Rojin K., eine der Organisatorinnen. Die 27-Jährige lebt seit acht Jahren in Dresden und hat Verwandte in der betroffenen Region. Die Demonstration verlief nach Polizeiangaben weitgehend friedlich, vereinzelt wurden Pyrotechnik und verbotene PKK-Symbole festgestellt.
Die Dresdner Verkehrsbetriebe mussten mehrere Straßenbahnlinien umleiten. Fahrgäste warteten teilweise bis zu 30 Minuten an den Haltestellen. Touristen am Altmarkt reagierten mit gemischten Gefühlen. «Ich verstehe ihre Anliegen, aber warum muss man den Verkehr blockieren?», fragte eine Besucherin aus München.
Als Reporterin habe ich beobachtet, wie die Stimmung zwischen Solidarität und Unverständnis schwankte. Bei älteren Dresdnern weckte der Protest Erinnerungen an die Montagsdemonstrationen 1989: «Damals sind wir auch auf die Straße gegangen», erklärte mir ein älterer Herr am Straßenrand.
Die kurdische Gemeinschaft in Sachsen wächst seit Jahren. Während die Bundesregierung zurückhaltend auf die türkischen Militäraktionen reagiert, fordern die Demonstrierenden von Deutschland ein deutlicheres Eintreten für die Kurden. Die Polizei rechnet mit weiteren Protesten in den kommenden Wochen. Die Frage bleibt: Wie viel Gehör finden die Stimmen dieser Menschen jenseits kurzfristiger Verkehrsmeldungen?