In Berlin stehen Eltern vor einer unerwarteten Herausforderung: Der kommende Dienstag wird zum Tag des Protests. Gewerkschaften und Studentenvertreter haben Streiks an Kitas, Schulen und Hochschulen angekündigt. Allein bei den Kitas rechnen die Organisatoren mit rund 10.000 streikenden Erzieherinnen und Erziehern – ein beispielloser Zusammenschluss verschiedener Bildungssektoren.
«Wir fordern bessere Arbeitsbedingungen und eine Aufwertung der sozialen Berufe», erklärt Anne Schmidt von der Gewerkschaft Verdi. Der Personalnotstand im Bildungsbereich hat sich verschärft. In meinen 20 Jahren als Berichterstatterin habe ich selten erlebt, dass die Stimmung so angespannt ist. An Berliner Kitas fehlen aktuell etwa 5.000 Fachkräfte, und viele Erzieherinnen berichten von Überlastung und Burnout.
Parallel protestieren Studierende gegen Sparmaßnahmen an den Hochschulen. «Mit 50 Millionen Euro weniger Budget können wir keine zukunftsfähige Bildung anbieten», sagt Professor Markus Weber von der Humboldt-Universität. Die Kürzungen treffen besonders Tutorenstellen und Bibliotheksöffnungszeiten.
Für Familien bedeutet der Streik eine logistische Herausforderung. Die Senatsverwaltung für Bildung hat Notbetreuungen angekündigt, aber diese werden nur eingeschränkt verfügbar sein. Eine betroffene Mutter aus Neukölln berichtet: «Ich unterstütze die Ziele, aber muss nun spontan Homeoffice organisieren.«
Die wachsende Protestwelle zeigt die Dringlichkeit der Probleme im Bildungssystem. Berlin entwickelt sich zur Protesthauptstadt in Bildungsfragen. Wie lange können Politik und Gesellschaft diese Warnsignale noch ignorieren? Die Antwort darauf wird nicht nur über die Arbeitsbedingungen entscheiden, sondern über die Bildungschancen einer ganzen Generation.