Der Wirtschaftsflügel der CDU möchte den Rechtsanspruch auf Teilzeit einschränken. In Unternehmen mit weniger als 45 Mitarbeitern soll es künftig keinen automatischen Anspruch mehr geben. Das geht aus einem Strategiepapier hervor, das der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt. Die Initiative zielt darauf ab, den Fachkräftemangel zu bekämpfen und die Wirtschaft zu entlasten.
«Wir brauchen eine grundlegende Reform des Teilzeitrechts, um kleine und mittlere Unternehmen zu stärken», erklärte Carsten Linnemann, stellvertretender CDU-Vorsitzender, gestern in Berlin. Laut Statistischem Bundesamt arbeiten derzeit 30 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland in Teilzeit – Tendenz steigend.
Die CDU argumentiert, dass besonders kleine Betriebe unter dem derzeitigen Rechtsanspruch leiden. Für sie sei es oft unmöglich, qualifizierte Ersatzkräfte für wenige Stunden zu finden. Julia Weber vom Mittelstandsverband bekräftigt: «Jeder zweite Handwerksbetrieb muss Aufträge ablehnen, weil Personal fehlt.»
Als Journalistin beobachte ich seit Jahren, wie dieses Thema die Gemüter erhitzt. In München traf ich kürzlich eine Bäckermeisterin, die mir sagte: «Wenn drei meiner acht Angestellten plötzlich auf 50 Prozent reduzieren, kann ich den Laden dichtmachen.«
Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisiert den Vorstoß scharf. «Dies wäre ein massiver Rückschritt für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf», so DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel. Eine Einschränkung träfe vor allem Frauen, die häufiger in Teilzeit arbeiten.
Die Debatte berührt einen empfindlichen Nerv in der deutschen Arbeitswelt. Während Unternehmen nach Flexibilität rufen, sehen viele Beschäftigte ihr Recht auf selbstbestimmtes Arbeiten in Gefahr. Am Ende stellt sich die Frage: Wie viel wiegt der wirtschaftliche Nutzen gegenüber dem gesellschaftlichen Fortschritt bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie?