Die Köpenicker erlebten am Samstag ein bitteres Déjà-vu. Mit 0:2 musste sich Union Berlin im eigenen Stadion Borussia Dortmund geschlagen geben – und das auf eine besonders schmerzhafte Art. Der BVB bediente sich ausgerechnet jener Spielweise, mit der die Eisernen in den vergangenen Jahren so erfolgreich waren: kompakte Defensive, schnelles Umschaltspiel, maximale Effizienz.
„Wir sind an unserer eigenen Medizin gestorben», gestand Unions Kapitän Christopher Trimmel nach der Partie. Der BVB ließ Union kommen, verteidigte diszipliniert und schlug dann eiskalt zu. Als hätte Dortmund-Coach Nuri Sahin das Union-Playbook studiert und perfektioniert. Jadon Sancho und Niclas Füllkrug nutzten ihre Chancen kompromisslos – genau wie Union es in seinen besten Zeiten tat.
Was besonders auffiel: Die Berliner wirkten in ihrer neuen Rolle als spielbestimmende Mannschaft merkwürdig unwohl. 60% Ballbesitz, aber kaum zwingende Torchancen. „Wir müssen kreativer werden, wenn der Gegner uns den Ball überlässt», analysierte Trainer Bo Svensson. Die Evolution vom Underdog zum etablierten Bundesligisten fordert ihren Tribut.
Für die Fans in der ausverkauften Alten Försterei war es ein ungewohntes Bild. Ihr Team, das jahrelang für defensive Stabilität und Konterangriffe stand, wirkte verunsichert, als es selbst das Spiel machen sollte. Der BVB dagegen zeigte, wie wandlungsfähig Spitzenteams sein müssen. Mal dominieren, mal kontrolliert verteidigen – je nach Gegner und Spielverlauf.
Die Niederlage offenbart Unions aktuelle Identitätsfrage: Wie viel vom alten Union-Fußball soll bleiben, wie viel Veränderung braucht es? Eine Frage, die Bo Svensson in den kommenden Wochen beantworten muss. Denn eines wurde klar: In der Bundesliga reicht es nicht mehr, nur einen Plan zu haben. Selbst wenn dieser jahrelang funktioniert hat.