In Köln haben gestern Nachmittag rund 150 Menschen für einen besseren Radweg auf der Mülheimer Brücke demonstriert. Die Demonstrierenden forderten die längst versprochene Umgestaltung der Brücke, die täglich von etwa 6.000 Radfahrenden genutzt wird – auf einem Radweg, der nur 1,50 Meter breit ist und direkt neben dem viel befahrenen Autoverkehr liegt.
«Es ist lebensgefährlich hier», sagt Peter Schmidt, ein 45-jähriger Pendler aus Mülheim, der die Brücke täglich mit dem Rad überquert. «Wenn sich zwei Räder begegnen, muss einer fast stehenbleiben.» Tatsächlich entspricht der schmale Radstreifen längst nicht mehr den heutigen Standards für sichere Radinfrastruktur.
Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) und der ADFC hatten zu der Protestaktion aufgerufen. Demonstrierende stellten sich mit ihren Fahrrädern entlang der Brücke auf und bildeten eine Menschenkette. Die Stimmung war friedlich, aber entschlossen. Immer wieder hupten vorbeifahrende Autos – teils zustimmend, teils genervt.
Seit 2019 liegt ein beschlossener Plan vor, der vorsieht, eine Autospur pro Richtung in geschützte Radwege umzuwandeln. Passiert ist bisher nichts. Die Stadtverwaltung verweist auf fehlende Planungskapazitäten und rechtliche Hürden.
Als Reporterin beobachte ich seit Jahren diese Hängepartie. Die Brücke ist ein Nadelöhr im Kölner Radverkehr, das ich selbst oft genug mit klopfendem Herzen passiert habe. Besonders wenn LKWs vorbeidonnern, fühlt man sich auf dem schmalen Streifen wie auf einem Drahtseil.
Oberbürgermeisterin Henriette Reker ließ durch ihren Sprecher mitteilen, dass die Umgestaltung «höchste Priorität» habe. Konkrete Zeitpläne wurden jedoch nicht genannt. Verkehrsforscher Dr. Martin Lehmann von der TH Köln betont: «Die Brücke ist ein Schlüsselelement für die Verkehrswende in Köln. Jeder Tag des Wartens bedeutet ein unnötiges Sicherheitsrisiko.»
Die Demonstrierenden kündigten weitere Aktionen an. Die Mülheimer Brücke zeigt wie unter einem Brennglas: Der Kampf um den Straßenraum in deutschen Städten ist längst in vollem Gange. Und die Frage bleibt: Wann folgen den vielen Plänen und Versprechen endlich Taten?