Osthessens Straßen verwandeln sich seit den frühen Morgenstunden in weiße Rutschbahnen. Vor allem auf der A7 und A66 herrscht Chaos – zahlreiche Fahrzeuge stehen quer, LKWs blockieren Fahrspuren. Der Deutsche Wetterdienst hatte bereits gestern Abend vor Schneefall und Glätte gewarnt. Bis zu 15 Zentimeter Neuschnee sind in den höheren Lagen des Rhön-Gebiets gefallen.
Besonders dramatisch ist die Lage zwischen Bad Brückenau und Fulda-Nord. „Wir kommen mit dem Räumen kaum hinterher», erklärt Polizeisprecherin Sabine Weber. Seit 5 Uhr morgens seien alle verfügbaren Streufahrzeuge im Einsatz. Dennoch: Viele Pendler wurden von der Wetterlage überrascht.
„Ich brauchte über zwei Stunden für eine Strecke, die sonst 30 Minuten dauert», berichtet Michael Schulz aus Künzell. Der 42-jährige Krankenpfleger musste zu seiner Frühschicht im Klinikum Fulda. „Ohne Winterreifen wäre gar nichts gegangen.»
Als ich selbst heute früh durch die Fuldaer Innenstadt fuhr, sah ich zahlreiche Menschen, die ihre Autos freischaufelten. An den Bushaltestellen warteten frierende Schulkinder. Viele Busse hatten erhebliche Verspätungen.
Die Situation zeigt, wie schnell der Winter die moderne Infrastruktur an ihre Grenzen bringen kann. In meinen fast 20 Jahren als Reporterin habe ich selten eine so plötzliche Verkehrslähmung erlebt – obwohl Wintereinbrüche in unserer Region keine Seltenheit sind.
Laut Meteorologen soll es in den kommenden Stunden weiter schneien. „Wir empfehlen, heute auf nicht notwendige Fahrten zu verzichten», so Weber. Die Räumdienste arbeiten auf Hochtouren. Ein Trost: Ab morgen soll es wärmer werden. Die Frage bleibt: Warum werden wir vom ersten Schnee immer wieder so überrascht?