Die dramatischen Szenen im 10. Stock eines Dresdner Hochhauses haben gestern Abend für Entsetzen gesorgt. Während Rettungskräfte eine junge Frau versorgten, warfen bisher Unbekannte ihren Notfallrucksack aus dem Fenster. Der Vorfall ereignete sich gegen 21:30 Uhr in der Grunaer Straße, wo Polizei und Rettungsdienst wegen einer medizinischen Notlage im Einsatz waren. Die Täter nutzten einen unbeobachteten Moment, um das lebenswichtige Equipment zu entwenden.
«Es ist absolut unbegreiflich, dass Menschen, die anderen helfen wollen, so sabotiert werden», erklärt Einsatzleiter Michael Haberland. Der Rucksack mit Medikamenten und Notfallausrüstung wurde bei dem Sturz völlig zerstört. Die betroffenen Sanitäter mussten Ersatzausrüstung anfordern, was die Versorgung der Patientin verzögerte.
Solche Vorfälle sind leider kein Einzelfall mehr. In meinen fast zwanzig Jahren Berichterstattung habe ich eine zunehmende Respektlosigkeit gegenüber Rettungskräften beobachtet – besonders in sozialen Brennpunkten größerer Städte. Die Dresdner Feuerwehr verzeichnete allein im letzten Jahr 23 Übergriffe auf ihre Einsatzkräfte.
Die Polizei ermittelt nun wegen gefährlichen Eingriffs in den Rettungsdienst und Sachbeschädigung. Zeugen werden gebeten, Hinweise zu den Tätern zu geben. Der materielle Schaden beläuft sich auf etwa 5.000 Euro – der Vertrauensverlust bei den Helfern ist jedoch nicht zu beziffern.
Was treibt Menschen zu solchen Taten? Diese Frage beschäftigt nicht nur die Einsatzkräfte, sondern sollte uns alle zum Nachdenken bringen, wie wir den Respekt vor denjenigen wiederherstellen können, die tagtäglich Leben retten.