Der Weg in die militärische Zukunft beginnt ab sofort in Erding. Dort hat Verteidigungsminister Boris Pistorius gestern das neue «Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr» eingeweiht. Mit 240 Millionen Euro Startkapital soll hier an Künstlicher Intelligenz, Drohnentechnologie und modernen Kommunikationssystemen geforscht werden. Was auf den ersten Blick nach Science-Fiction klingt, ist für unsere Sicherheit längst überfällig.
«Unsere Welt hat sich seit dem russischen Angriff auf die Ukraine fundamental verändert», erklärte Pistorius bei der Eröffnung. «Wir müssen bei Zukunftstechnologien wieder vorne mitspielen.» Tatsächlich hatte die Bundeswehr in den letzten Jahrzehnten technologisch oft das Nachsehen. Als Reporterin habe ich Soldaten getroffen, die von veralteten Funkgeräten und Nachtsichtgeräten berichteten, während andere NATO-Partner längst digitale Systeme nutzten.
Im neuen Zentrum sollen militärische und zivile Fachleute Hand in Hand arbeiten. Erste Projekte drehen sich um Drohnenabwehr, KI-gestützte Aufklärungssysteme und abhörsichere Kommunikation. «Die Trennung zwischen zivilen und militärischen Innovationen existiert nicht mehr», betonte Professor Martin Wiesbeck von der TU München, der eng mit dem Zentrum kooperiert.
Der Standort Erding wurde nicht zufällig gewählt. Die bayerische Stadt liegt in der Nähe mehrerer Technologie-Hotspots und beherbergt bereits wichtige Bundeswehreinrichtungen. Oberbürgermeister Max Gotz freut sich: «Wir werden vom Know-how und den Arbeitsplätzen profitieren.»
Das Innovationszentrum könnte auch eine Wende in der deutschen Verteidigungspolitik markieren. Nach jahrelangem Sparen soll Deutschland wieder wehrfähiger werden. Doch die entscheidende Frage bleibt: Reichen 240 Millionen Euro, um den technologischen Rückstand aufzuholen? Oder ist die Einweihung in Erding nur ein symbolischer erster Schritt auf einem sehr langen Weg?