Die anhaltende Eisglätte setzt den Berlinerinnen und Berlinern weiter zu. Rettungsdienste und Kliniken arbeiten am Limit, doch auch die Arztpraxen kämpfen mit einem dramatischen Patientenansturm. Allein in der Charité wurden seit Montag über 120 Menschen nach Stürzen behandelt. Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin spricht von einer «außergewöhnlichen Belastungssituation».
«Es kommen doppelt so viele Patienten wie üblich», berichtet Dr. Martina Weisbach aus ihrer Praxis in Mitte. «Vor allem Handgelenksfrakturen und Knöchelbrüche sehen wir stündlich.» Die Berliner Hausärztin versorgt seit Wochenbeginn bis zu 60 Patienten täglich – normalerweise sind es 30.
Besonders ältere Menschen trifft es hart. Nach meinen Beobachtungen tragen viele trotz Warnungen ungeeignetes Schuhwerk. Der 76-jährige Kurt Lamprecht kam gestern in meine Reportage-Sprechstunde: «Ich wollte nur kurz zum Bäcker, dann lag ich schon. Jetzt ist der Arm gebrochen.»
Die Praxen müssen improvisieren. Viele Ärztinnen und Ärzte verlängern ihre Sprechzeiten bis in den Abend. «Wir schieben Routinetermine, um die Verletzten zu versorgen», erklärt Dr. Sören Krüger von der KV Berlin. Gleichzeitig fallen Praxismitarbeiter selbst durch Stürze aus.
Die Berliner Verkehrsbetriebe versuchen mit Sonderstreufahrzeugen die Lage zu entschärfen. Doch die Wetterprognose bleibt kritisch. Experten raten zu äußerster Vorsicht und empfehlen, unnötige Wege zu vermeiden. Die nächsten Tage werden zeigen, ob die Gesundheitsversorgung dem Ansturm standhalten kann.