Seit den frühen Morgenstunden rollen Busse und Bahnen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wieder durch die Hauptstadt. Der zweitägige Warnstreik, der den öffentlichen Nahverkehr in Berlin weitgehend lahmgelegt hatte, endete heute um 4 Uhr. Laut BVG wird es jedoch noch einige Zeit dauern, bis alle Linien wieder nach Plan fahren.
«Wir bitten unsere Fahrgäste um etwas Geduld», erklärt BVG-Sprecherin Petra Nelken. «Es ist wie bei einem Motor, der erst wieder warm laufen muss.» Besonders bei den U-Bahnen könnte es bis zum Mittag dauern, bis der reguläre Takt erreicht wird. In der Zwischenzeit müssen Pendler mit längeren Wartezeiten und vereinzelten Ausfällen rechnen.
Der Streik hatte am Freitagmorgen begonnen und legte fast den gesamten BVG-Verkehr still. Nur einige wenige Buslinien, die von Subunternehmen betrieben werden, fuhren weiter. Die Gewerkschaft Verdi hatte zu dem Ausstand aufgerufen, um Druck in den laufenden Tarifverhandlungen aufzubauen.
Für viele Berliner bedeuteten die streikbedingten Einschränkungen erhebliche Umstellungen im Alltag. «Ich brauchte gestern fast zwei Stunden zur Arbeit statt der üblichen 30 Minuten», berichtet Anna Schmidt aus Friedrichshain. Die Straßen waren merklich voller, viele stiegen aufs Fahrrad um, trotz des regnerischen Wetters.
Die S-Bahn, die nicht zum BVG-Netz gehört, war von dem Streik nicht betroffen und verzeichnete entsprechend höhere Fahrgastzahlen. «Wir haben an beiden Streiktagen etwa 30 Prozent mehr Fahrgäste transportiert«, bestätigt ein S-Bahn-Sprecher.
Ob der Warnstreik die gewünschte Wirkung erzielt, wird sich bei der nächsten Verhandlungsrunde zeigen. Die Gewerkschaft fordert unter anderem kürzere Arbeitszeiten und bessere Arbeitsbedingungen für die rund 15.500 BVG-Beschäftigten. Verdi-Verhandlungsführer Jeremy Arndt betont: «Die hohe Streikbeteiligung zeigt, wie wichtig den Beschäftigten unsere Forderungen sind.»
Für die kommenden Tage sind keine weiteren Streiks angekündigt – eine Erleichterung für die rund 1,5 Millionen Menschen, die täglich mit der BVG unterwegs sind. Doch falls die Verhandlungen erneut scheitern sollten, könnte der Nahverkehr bald wieder stillstehen.