Die Dämpfe legten alles lahm – ausgerechnet im Behördendschungel Berlin. Das Bürgeramt in der Klosterstraße bleibt seit gestern geschlossen, nachdem bei Bodenarbeiten gefährliche Klebstoffdämpfe freigesetzt wurden. Über 70 Termine mussten abgesagt werden. Betroffen sind Anliegen von der Personalausweisbeantragung bis zur Anwohnerparkvignette.
Der Unfall ereignete sich, als Handwerker am Montagnachmittag im ersten Stock des Gebäudes einen neuen Boden verlegten. Die chemischen Dämpfe verbreiteten sich rasch durch das gesamte Bürgeramt. Mehrere Mitarbeiter klagten über Kopfschmerzen und Übelkeit, einige mussten medizinisch versorgt werden.
«Die Sicherheit unserer Mitarbeiter und Besucher steht an erster Stelle«, erklärt Bezirksstadträtin Almut Neumann. Erst nach umfassender Lüftung und Freigabe durch Experten könne der Betrieb wieder aufgenommen werden.
Für die Berliner bedeutet der Vorfall weitere Wartezeiten in einer Stadt, die ohnehin für ihre überlasteten Ämter bekannt ist. «Ich warte seit drei Monaten auf diesen Termin», sagt der sichtlich frustrierte Anwohner Michael Becker (42). «Jetzt geht das Spiel von vorne los.»
Als ich vor Ort war, standen trotz Aushängen noch immer ratlose Menschen vor verschlossenen Türen. Die Szene erinnerte an die Hochphase der Pandemie – nur dass diesmal nicht ein Virus, sondern Klebstoff der Übeltäter war.
Die Verwaltung verspricht, ausgefallene Termine bevorzugt nachzuholen. Betroffene werden per Email oder Telefon informiert. Wann genau das Bürgeramt wieder öffnet, bleibt allerdings unklar. «Es könnte durchaus die ganze Woche dauern», räumt ein Sprecher ein.
Der Vorfall wirft einmal mehr ein Schlaglicht auf die marode Infrastruktur vieler Berliner Behörden. Während digitale Lösungen oft Mangelware bleiben, fallen analoge Dienste nun sogar wegen Klebstoff aus.