Der Boden unter Münchens Straßen gibt wieder nach: Am Donnerstag ist ein Teleskoplader an der Kreuzung Lindwurm-/Poccistraße eingebrochen. Das schwere Baufahrzeug sackte mit einem Rad etwa 20 Zentimeter tief in die Fahrbahn ein – mitten im morgendlichen Berufsverkehr. Die Stelle musste umgehend abgesperrt werden, was den Verkehrsfluss zusätzlich belastete.
Es ist bereits der dritte Straßeneinbruch binnen weniger Wochen in München. Ende April hatte sich am Stachus ein riesiges Loch aufgetan, Anfang Mai folgte ein Einbruch an der Ecke Sendlinger-Tor-Platz. Nun also die Lindwurmstraße – eine der Hauptverkehrsadern in Richtung Süden.
«Das ist kein Zufall mehr», erklärt Werner Mayer vom Baureferat der Stadt München. «Wir haben ein Netz aus teils über 100 Jahre alten unterirdischen Kanälen und Leitungen, die durch Grundwasser und Verkehrsbelastung zunehmend instabil werden.» Laut einer Erhebung des Baureferats sind etwa 30 Prozent der Münchner Straßeninfrastruktur sanierungsbedürftig.
Besonders problematisch: Der Untergrund besteht aus lockerem Kies, der bei Wassereinbrüchen leicht weggespült werden kann. Als ich im letzten Jahr die Baustelle am Marienhof besichtigte, zeigten mir Ingenieure, wie porös der Münchner Untergrund stellenweise ist.
Am Lindwurm war nun ein Bautrupp damit beschäftigt, die Stelle zu sichern. «Wir müssen etwa drei Meter tief graben, um den Hohlraum zu finden und zu verfüllen», erläuterte Bauarbeiter Klaus Wimmer. Die Reparatur wird voraussichtlich mehrere Tage in Anspruch nehmen.
Für Anwohner und Pendler bedeutet dies weitere Verkehrsbehinderungen in einer ohnehin von Baustellen geplagten Stadt. Wie lange Münchens Straßen noch nachgeben werden? Das Baureferat kündigt an, die Überwachung kritischer Infrastruktur zu verstärken. Für die Verkehrsteilnehmer bleibt vorerst nur erhöhte Aufmerksamkeit – wenn der Boden unter München weiter nachgibt.