Die Nerven lagen blank in Dresden. Nach vier sieglosen Spielen in Folge und dem Absturz auf Tabellenplatz vier der 3. Liga schien der Aufstiegstraum von Dynamo Dresden zu platzen. Fans forderten lautstark die Entlassung von Trainer Markus Anfang, doch Sportgeschäftsführer Thomas Göntner entschied sich für einen anderen Weg – und hielt am Coach fest. Eine Entscheidung, die im Profifußball selten geworden ist.
«Wir hatten das Gefühl, dass die Mannschaft noch hinter dem Trainer steht», erklärte Göntner in einem Gespräch mit der Lokalpresse. «In einer sportlichen Krise ist es oft der einfachste Weg, den Trainer zu entlassen. Aber wir wollten keine Kurzschlussreaktion.» Stattdessen setzte die Vereinsführung auf intensive Gespräche mit Spielern und Trainerstab. Das Ergebnis: Ein neues taktisches Konzept und eine klare Rollenverteilung im Team.
Die Dresdner Fans zeigten sich gespalten. Während die Ultras weiterhin mit Protestbannern ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck brachten, gab es auch viel Zuspruch für den besonnenen Kurs des Vereins. «Dresden ist anders», meinte Fanvertreter Matthias Lorenz. «Hier gibt es eine lange Tradition des Durchhaltens in schwierigen Zeiten.«
Interessant ist der Blick auf die Statistik: In der 3. Liga wurden in dieser Saison bereits elf Trainer entlassen – mehr als in jeder anderen Profispielklasse Deutschlands. Besonders bemerkenswert: Nur drei der Vereine, die den Trainer wechselten, konnten ihre Tabellenposition nachhaltig verbessern. Ein Indiz dafür, dass Kontinuität manchmal der bessere Weg sein kann.
Für Dynamo Dresden steht nun der Endspurt der Saison an. Sechs Spiele bleiben, um den Rückstand auf die Aufstiegsplätze aufzuholen. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Vereinsführung mit ihrer ungewöhnlichen Entscheidung recht behalten wird. In einer Zeit, in der Trainer oft als erste Opfer von Krisen fallen, setzt Dresden auf Beständigkeit – und könnte damit zum Vorbild für andere Clubs werden.