Während sich die Fans auf das Pokalspiel zwischen Holstein Kiel und dem VfB Stuttgart freuen, vollzieht sich hinter den Kulissen eine stille Revolution. Die Störche setzen verstärkt auf künstliche Intelligenz im Trainingsalltag – ein Trend, der den deutschen Fußball grundlegend verändern könnte. Laut einer aktuellen Erhebung des DFB nutzen mittlerweile 73 Prozent der Proficlubs KI-gestützte Analysesysteme, aber nur wenige so konsequent wie der Zweitligist aus dem Norden.
«Wir haben unser Trainingssystem komplett umgestellt», erklärt Kiels Athletiktrainer Timm Sörensen im Gespräch. «Jeder Spieler trägt Sensoren, die über 200 Datenpunkte pro Sekunde liefern. Die KI erkennt Belastungsspitzen, Erschöpfungsmuster und sogar drohende Verletzungen, bevor der Spieler selbst etwas spürt.» Die Technik stammt vom Münchner Start-up TrackMyPerform, das mit Algorithmen arbeitet, die ursprünglich für die Raumfahrt entwickelt wurden.
Besonders interessant: Die fünf Winterneuzugänge wurden gezielt nach Datenprofilen ausgewählt, die optimal ins Spielsystem passen. Verteidiger Max Rosenfelder kam nicht trotz, sondern wegen seiner ungewöhnlichen Laufwege, die die KI als besonders effizient für das Kieler Pressingmuster identifizierte. Sportdirektor Carsten Wehlmann bestätigt: «Vor drei Jahren hätten wir ihn nicht auf dem Zettel gehabt. Die Daten zeigen aber Qualitäten, die das bloße Auge übersieht.»
Die Technologie wirft jedoch auch Fragen auf. Verlieren wir durch die Datenflut den Blick fürs Wesentliche? Kiels Kapitän Lewis Holtby bleibt skeptisch: «Am Ende entscheidet immer noch das Herz auf dem Platz, nicht der Algorithmus.» Vielleicht liegt genau darin die Zukunft des Sports – in der intelligenten Verbindung von menschlicher Intuition und digitaler Präzision. Während wir heute auf das Pokalspiel blicken, sehen wir gleichzeitig in die Zukunft des Fußballs.