In der Stuttgarter Innenstadt herrschte gestern plötzlich Dunkelheit. Rund 20.000 Menschen saßen ohne Strom da – darunter Geschäfte, Büros und Wohnhäuser. Der Grund: Ein technischer Mitarbeiter hatte beim regionalen Energieversorger einen folgenschweren Schaltfehler begangen. Von 14:22 Uhr bis 15:45 Uhr war nichts mehr wie gewohnt.
«Es war wie im Film», erzählt mir Sabine Müller, Inhaberin eines Cafés in der Königstraße. «Plötzlich gingen alle Lichter aus, die Kühltheke fiel aus, und die Kaffeemaschinen streikten.» In ihrer 15-jährigen Geschäftstätigkeit habe sie so etwas noch nicht erlebt. «Wir mussten alle Kunden nach Hause schicken.»
Der Vorfall erinnert mich an meine Anfänge als Lokaljournalistin in Baden-Württemberg. Damals berichtete ich über die Verletzlichkeit unserer modernen Infrastruktur. Heute zeigt sich wieder: Ein einzelner Fehler kann das öffentliche Leben lahmlegen.
Die Stadtwerke Stuttgart bestätigten inzwischen, dass ein «menschlicher Fehler bei Wartungsarbeiten» die Ursache war. Unternehmenssprecher Markus Weber: «Der betroffene Mitarbeiter hat versehentlich einen falschen Schalter betätigt. Unsere Sicherheitssysteme haben zwar sofort reagiert, aber die Wiederherstellung der Versorgung brauchte ihre Zeit.»
Besonders betroffen waren das Rathaus, mehrere Schulen und das Einkaufszentrum Königsbau. Die Polizei meldete glücklicherweise keine größeren Zwischenfälle. Steckengebliebene Aufzüge wurden schnell evakuiert.
Die Frage bleibt: Warum konnte ein einzelner Fehler solche Folgen haben? Experten fordern seit Jahren redundante Systeme für kritische Infrastruktur. Der gestrige Tag zeigt einmal mehr, wie abhängig wir von funktionierender Technik sind – und wie schnell unsere digitalisierte Welt ins Wanken geraten kann.