Dichter Eisregen verwandelte Berlin in der vergangenen Nacht in eine Rutschbahn. Seit den frühen Morgenstunden meldete die Polizei deutlich mehr Verkehrsunfälle als üblich – bis zum Vormittag bereits 130 Unfälle mit 18 Verletzten. Die Stadtreinigung BSR war mit 210 Fahrzeugen im Dauereinsatz, konnte aber nicht alle Straßen rechtzeitig streuen.
«So schlimm war es lange nicht mehr», erzählte mir Polizeioberkommissar Frank Weber am Morgen. Die Einsatzkräfte kamen teilweise selbst kaum voran. Nach einer kurzen Entspannung am Mittag verschärfte sich die Lage am Nachmittag erneut durch weitere Niederschläge.
Besonders betroffen waren Nebenstraßen und Bürgersteige, die oft spiegelglatt blieben. In Spandau und Marzahn stürzten mehrere Fußgänger so schwer, dass sie ins Krankenhaus mussten. Die BVG stellte zeitweise den Busverkehr auf 15 Linien ein, die Tram fuhr mit reduzierter Geschwindigkeit.
Am Flughafen BER wurden morgens zunächst alle Starts ausgesetzt. «Wir konnten die Sicherheit nicht gewährleisten», erklärte Airport-Sprecherin Sabine Deckwerth. Gegen Mittag normalisierte sich der Betrieb langsam, dennoch wurden 23 Flüge gestrichen.
Bei meinen Recherchen in Kreuzberg traf ich Claudia Meier vom Seniorentreff «Goldener Herbst»: «Viele unserer Mitglieder trauen sich heute gar nicht aus dem Haus. Die Angst vor einem Sturz ist zu groß.»
Für die nächsten Tage bleibt die Lage angespannt. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor weiteren Glatteisstellen, besonders in den Morgenstunden. Anwohner sollten vor ihren Häusern streuen und besonders vorsichtig unterwegs sein. Wer kann, sollte auf unnötige Fahrten verzichten.
Diese Extremwetterlage zeigt einmal mehr, wie verletzlich unsere städtische Infrastruktur bei plötzlichen Wetterumschwüngen ist – und wie wichtig vorausschauendes Handeln aller Beteiligten.