Die deutsche Bahn baut und Dresden steht im Stau. Seit heute früh rollt kein Zug mehr über die Gleise des Dresdner Hauptbahnhofs. Was für Pendler eine Geduldsprobe bedeutet, ist für Bauarbeiter der Startschuss eines Mammutprojekts: Bis zum 11. September wird der Bahnhof komplett gesperrt. Über 64.000 Reisende müssen täglich umplanen. «Die umfassendste Sperrung in der Geschichte des Dresdner Hauptbahnhofs», nennt es die Bahn selbst.
Wer in diesen Wochen mit dem Zug nach Dresden will, braucht gute Nerven und mehr Zeit. ICE und IC halten stattdessen in Dresden-Neustadt, während Regionalzüge auf andere Bahnhöfe wie Dresden-Mitte umgeleitet werden. «Wir müssen zentrale Gleisanlagen komplett erneuern und können das nur durch diese Vollsperrung effizient umsetzen», erklärt Bahnsprecherin Yvonne Haltermann.
Auf den Straßen rund um den Hauptbahnhof ist das Chaos bereits spürbar. Ersatzbusse kämpfen sich durch den Verkehr, Pendler stehen ratlos vor Aushängen. Als ich heute Morgen am provisorischen Infopoint vorbeiging, bildete sich eine Schlange, die bis auf den Wiener Platz reichte.
Für die Bauarbeiter ist es ein Wettlauf gegen die Zeit. In nur sechs Wochen müssen sie 4.800 Meter Gleise, 16 Weichen und die komplette Leit- und Sicherungstechnik erneuern. «Wir arbeiten rund um die Uhr im Dreischichtsystem», versichert Projektleiter Matthias Werner.
Die Sperrung ist Teil eines größeren Modernisierungsprogramms – 100 Millionen Euro investiert die Bahn in Dresden. Für Anwohner und Reisende bleibt nur Durchhalten. Oder wie meine Nachbarin aus der Südvorstadt es heute Morgen lakonisch ausdrückte: «Mer müssen’s nehmen, wie’s kommt.» Typisch sächsisch eben.