Der Raum ist überfüllt, die Luft stickig, an den Fensterrahmen blättert der Lack ab. Seit Monaten ziehen sich die Warteschlangen vor dem Berliner Landesamt für Einwanderung (LEA) bis auf die Straße. Ein aktueller Kontrollbericht des Gesundheitsamts Friedrichshain-Kreuzberg enthüllt nun: Die Zustände im Einwanderungsamt sind noch schlimmer als vermutet. Beamte und Besucher müssen unter teils unzumutbaren hygienischen Bedingungen arbeiten.
Was mir bei meinem letzten Besuch vor Ort besonders auffiel: Menschen warten bei Wind und Wetter draußen, oft stundenlang, nur um einen Termin zu bekommen. Drinnen sieht es nicht besser aus. Die Hygiene-Kontrolleure fanden verschimmelte Wände, verstopfte Toiletten und mangelhafte Reinigung. «In den Sanitäranlagen fehlten grundlegende Hygieneprodukte wie Seife und Handtücher», heißt es im Bericht des Gesundheitsamts.
Eine LEA-Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte, bestätigt: «Wir arbeiten seit Jahren unter diesen Bedingungen. Viele Kollegen sind chronisch krank.» Die Behörde, die jährlich über 100.000 Menschen betreut, verfügt nicht einmal über ausreichend Reinigungspersonal für die stark frequentierten Bereiche.
Auch in Hamburg kenne ich ähnliche Probleme bei Einwanderungsbehörden. Doch was in Berlin passiert, übertrifft alles. Der Senat hat zwar Verbesserungen zugesagt, aber konkrete Maßnahmen fehlen bislang. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) betont: «Wir arbeiten mit Hochdruck an Lösungen für die unhaltbaren Zustände.»
Während politische Verantwortliche auf die leeren Kassen verweisen, warten tausende Menschen weiter unter unwürdigen Bedingungen. Die Frage ist nicht nur, wann die Hygienemängel behoben werden – sondern ob Berlin überhaupt einen funktionierenden Einwanderungsprozess gewährleisten kann. In einer Stadt, die sich weltoffen nennt, ein Armutszeugnis.