Die Bilder der trauernden Kollegen am Bahnhof Bremerhaven-Lehe gehen dieser Tage durch das Land. Ein 59-jähriger Zugbegleiter starb nach Faustschlägen eines Passagiers, der ohne gültigen Fahrschein unterwegs war. Der Fall schockiert nicht nur die Beschäftigten der Deutschen Bahn, sondern löst eine breite gesellschaftliche Diskussion aus: Wie können wir diejenigen besser schützen, die täglich für unsere Mobilität sorgen?
Seit Jahren steigt die Zahl der Übergriffe auf Bahnpersonal alarmierend an. Allein im vergangenen Jahr registrierte die Bundespolizei über 3.300 Angriffe auf Bahnmitarbeiter – ein trauriger Rekord. Die Gewerkschaft EVG spricht von einem «unhaltbaren Zustand». Viele Zugbegleiter berichten mir von einem Gefühl der Hilflosigkeit, wenn sie Fahrgäste auf fehlende Tickets ansprechen müssen.
«Wir brauchen dringend mehr Schutz für unsere Kolleginnen und Kollegen», fordert Martin Burkert, Vorsitzender der EVG. Das Bundesverkehrsministerium erwägt nun, das Allgemeine Eisenbahngesetz zu ändern. Eine Idee: Zugbegleiter könnten künftig Personalausweise fotografieren dürfen, wenn Fahrgäste ohne Ticket angetroffen werden. Bislang dürfen sie lediglich Namen und Adresse erfragen – Angaben, die oft falsch gemacht werden.
Als ich vor drei Jahren im Regionalexpress zwischen München und Nürnberg mitfuhr, erlebte ich selbst, wie ein Schaffner beinahe angegriffen wurde. Die Zivilcourage zweier Mitreisender verhinderte Schlimmeres. Was mich damals beeindruckte: Die Ruhe des Bahnmitarbeiters, der mir später sagte: «Das gehört leider fast zum Alltag.»
Die Deutsche Bahn reagiert mit mehr Sicherheitspersonal und Deeskalationstrainings. Doch reicht das? Der tragische Fall aus Bremerhaven zeigt: Wir müssen als Gesellschaft grundsätzlich über den Respekt gegenüber Menschen nachdenken, die im Dienst der Allgemeinheit stehen. Jeder Fahrscheinkontrolleur, jede Busfahrerin verdient unseren Schutz – und vor allem: unseren Respekt.