In Berlin-Mitte frieren Dutzende Mieter seit Anfang Oktober in ihren Wohnungen. Die Heizungsanlage eines Mehrfamilienhauses in der Turmstraße fiel mit Beginn der Heizperiode aus – und bis heute wurde das Problem nicht behoben. Bei Außentemperaturen um den Gefrierpunkt ist die Situation für die Bewohner kritisch geworden.
«Ich muss meine zwei kleinen Kinder jeden Abend in drei Lagen Kleidung zum Schlafen wickeln», berichtet Mieterin Sabine Lehmann (34). Die Wohnungen kühlen auf bis zu 13 Grad ab. Besonders betroffen sind ältere Menschen und Familien mit Kindern, die zunehmend gesundheitliche Probleme beklagen.
Der Vermieter, eine Berliner Immobiliengesellschaft, vertröstet die Mieter seit Wochen. «Es liegt an fehlenden Ersatzteilen», heißt es in einer knappen Mitteilung an die Hausgemeinschaft. Für mich als Berichterstatterin ist dieser Fall symptomatisch für ein wiederkehrendes Winterproblem in der Hauptstadt – marode Heizungsanlagen treffen auf überlastete Handwerksbetriebe.
Mietervereine schlagen Alarm. «Wir sehen berlinweit eine Zunahme solcher Fälle», bestätigt Rechtsanwältin Petra Hannemann vom Berliner Mieterverein. Die rechtliche Lage ist eindeutig: Bei Heizungsausfällen über mehr als 24 Stunden steht Mietern eine Mietminderung zu – je nach Schwere bis zu 100 Prozent.
Die Mietergemeinschaft hat inzwischen einen offenen Brief an die Bezirksverordnetenversammlung Mitte geschrieben. Einige haben Elektroheizlüfter angeschafft – was die Stromkosten explodieren lässt.
Was mir auf meinen Besuchen in Hamburg und München auffällt: Auch dort nehmen Beschwerden zu, aber in Berlin trifft die Wohnungsnot auf besonders alte Bausubstanz. Bezahlbarer Wohnraum mit funktionierender Infrastruktur wird immer seltener.
Die Bezirksverordnetenversammlung will den Fall nun in ihrer nächsten Sitzung behandeln. Für die Mieter bleibt vorerst nur das gemeinsame Ausharren in der Kälte. «Man fühlt sich machtlos und vergessen», sagt Rentner Gerhard Müller (73). Wie lange noch?