In den lichtdurchfluteten Räumen der Dresdner Albertinum öffnet sich seit gestern ein faszinierender Dialog zwischen zwei Künstlern, die zu Lebzeiten nie persönlich aufeinandertrafen. Die Ausstellung «Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch: Moderne Malerei um 1900» zeigt erstmals in dieser Gegenüberstellung, wie die beiden Wegbereiter der Moderne trotz unterschiedlicher Lebenswege verblüffend ähnliche künstlerische Visionen entwickelten.
Fast 90 Werke, darunter mehrere Schlüsselarbeiten aus internationalen Sammlungen, belegen die erstaunlichen Parallelen. «Beide drückten das Innenleben des Menschen aus, beide verarbeiteten eigene traumatische Erlebnisse in ihrer Kunst», erklärt Kuratorin Katja Schneider. Tatsächlich verbindet beide ein früher Mutterverlust – ein Schmerz, der in ihren Bildern nachhallt.
Als ich durch die Ausstellung ging, berührte mich besonders ein Selbstporträt Modersohn-Beckers, das unweit eines Munch’schen Frauenbildnisses hängt. Die Intensität der Blicke, die reduzierte Farbpalette – hier wird ohne Worte eine künstlerische Verwandtschaft sichtbar, die über ein Jahrhundert hinweg zu uns spricht.
Der norwegische Expressionist Munch erlangte weltweiten Ruhm, während die in Bremen geborene Modersohn-Becker erst posthum gewürdigt wurde. Sie starb 1907 im Alter von nur 31 Jahren, ohne den verdienten Durchbruch erlebt zu haben. «Sie hat in kürzester Zeit ein bemerkenswertes Werk geschaffen, das seiner Zeit voraus war», betont Kunsthistoriker Thomas Kellein. Heute gilt sie als erste europäische Malerin, die konsequent den Schritt in die Moderne wagte.
Die Ausstellung läuft bis zum 5. Mai und macht deutlich: Große Kunst entsteht oft aus tiefen menschlichen Erfahrungen. Oder wie Munch es einmal formulierte: «Kunst ist das genaue Gegenteil von Dekorativem – sie kommt von innen.»