In Bad Cannstatt gingen gestern rund 200 Menschen auf die Straße, um gegen eine Wahlveranstaltung der AfD im Kursaal zu protestieren. Die Demonstration verlief laut Polizeiangaben friedlich, während drinnen AfD-Politiker Alexander Gauland und Markus Frohnmaier vor Anhängern sprachen. «Kein Raum für rechte Hetze» und «Nie wieder ist jetzt» stand auf den Schildern der Demonstrierenden.
Bereits seit Wochen hatte ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Kirchengemeinden und zivilgesellschaftlichen Gruppen zu der Kundgebung aufgerufen. Besonders die Nähe zum 8. Mai – dem Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus – gab dem Protest zusätzliche Symbolkraft. «Wir müssen wachsam bleiben und Flagge zeigen gegen antidemokratische Strömungen», erklärte Pfarrerin Monika Renninger von der evangelischen Kirchengemeinde.
Als ich durch die Menge lief, fiel mir die Altersmischung auf: Von Studierenden bis zu Senioren waren alle Generationen vertreten. Ein Phänomen, das ich in meinen fast zwanzig Jahren als Journalistin immer wieder beobachte – wenn es um grundlegende demokratische Werte geht, rücken Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen.
Die Polizei trennte Protestierende und AfD-Anhänger durch Absperrungen und Präsenz. «Wir haben hier die schwierige Aufgabe, sowohl das Demonstrationsrecht als auch das Recht auf politische Versammlung zu schützen», erklärte ein Polizeibeamter vor Ort.
In Zeiten wachsender politischer Polarisierung zeigen solche Demonstrationen, wie umstritten die AfD in vielen Teilen der Gesellschaft bleibt. Während die Partei in Umfragen zulegt, wächst auch der Widerstand. Was das für die anstehende Kommunalwahl bedeutet? Das werden die nächsten Wochen zeigen.