Die Streiks gehen weiter: Heute stehen in München und Nürnberg zahlreiche Busse und Bahnen still. Die Gewerkschaft ver.di hat zum Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr aufgerufen. Betroffen sind die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) und die VAG Nürnberg. Nach Angaben der Gewerkschaft nehmen rund 2.000 Beschäftigte an den Arbeitsniederlegungen teil, die bis Betriebsende andauern.
In München fahren nur vereinzelte U-Bahnen und Trams – mit erheblichen Wartezeiten von bis zu 30 Minuten. Bei den Bussen sieht es etwas besser aus. «Wir können etwa 60 Prozent des normalen Angebots aufrechterhalten», erklärt MVG-Sprecherin Franziska Hartmann. «Trotzdem sollten Fahrgäste mehr Zeit einplanen und wenn möglich auf S-Bahnen ausweichen.»
In Nürnberg trifft es die Menschen noch härter. Dort stehen alle U-Bahnen, Straßenbahnen und fast alle Busse still. Einzig die Linien 30, 67 und 99 verkehren noch, da sie von privaten Unternehmen betrieben werden.
Der Grund für die Arbeitsniederlegungen: ver.di fordert bessere Arbeitsbedingungen und 500 Euro mehr Lohn pro Monat. «Die Beschäftigten im ÖPNV leisten wichtige Arbeit unter schwierigen Bedingungen», betont Heinrich Birner, ver.di-Geschäftsführer in München. «Der Personalmangel führt zu ständigen Überstunden und hoher Belastung.»
Als ich heute Morgen am Münchner Hauptbahnhof unterwegs war, sah ich viele ratlose Gesichter. Eine Seniorin mit Rollator fragte verzweifelt nach Alternativen, während Pendler hektisch auf ihren Handys nach Fahrplänen suchten. Einige zeigten Verständnis für die Streikenden, andere waren sichtlich verärgert.
Die Arbeitgeber bieten bisher 250 Euro mehr und verweisen auf leere Kassen. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 24. Juni angesetzt. Sollte es dort keine Einigung geben, drohen weitere Streiks – mitten in der Sommerreisezeit. Die Frage bleibt: Wieviel ist uns ein funktionierender öffentlicher Nahverkehr wert?