Beim Spitzenspiel zwischen Rot-Weiß Oberhausen und Fortuna Köln war der eigentliche Star weder auf dem Rasen noch auf der Trainerbank zu finden. Die unscheinbaren Wearables an den Handgelenken der Spieler haben das Regionalliga-Duell in ein Datenlabor verwandelt. Was früher Bauchgefühl war, ist heute messbare Wissenschaft – und verändert den Fußball bis in die vierte Liga hinein.
«Wir trainieren nicht mehr wie vor fünf Jahren», erklärt Oberhausens Athletiktrainer Michael Schneider nach dem intensiven 2:2. «Die Leistungsdaten unserer Spieler liefern uns Erkenntnisse, die früher undenkbar waren.» Die Zahlen sprechen für sich: Kölns Mittelfeldspieler Moritz Weber spulte beeindruckende 12,3 Kilometer ab und erreichte Spitzengeschwindigkeiten von 33,8 km/h – Werte, die vor wenigen Jahren nur in der Bundesliga gemessen wurden.
Was besonders auffällt: Die Regionalliga wird zum Testlabor für Technologien, die später im Profifußball Standard werden. Die neuen taktischen Analysetools von RWO haben beispielsweise Schwachstellen im Kölner Pressing identifiziert, was zum Ausgleichstreffer in der 76. Minute führte. Gleichzeitig nutzt Fortuna Köln ein KI-gestütztes Regenerationssystem, das die Belastung der Spieler in Echtzeit überwacht und so Verletzungen vorbeugen soll.
Für uns Zuschauer bleibt der Fußball äußerlich der gleiche – 22 Spieler, ein Ball, die pure Leidenschaft. Doch unter der Oberfläche vollzieht sich eine stille Revolution. Die Frage ist nicht mehr, ob Daten den Fußball verändern, sondern wie wir mit dieser Veränderung umgehen. Wird der Regionalliga-Fußball durch diese Technologisierung besser? Die Antwort liegt vielleicht weniger in den Daten als in den Emotionen, die das Spiel weiterhin auslöst – unabhängig davon, wie viele Kilometer die Spieler zurücklegen.