Die Essener Opernsaison begann am Wochenende mit einem theatralischen Knalleffekt: Die Uraufführung von „Die Frithjof-Saga» brachte skandinavisches Flair und epische Schlachtengesänge ins Aalto-Theater. Das Publikum erlebte während der knapp zweistündigen Aufführung eine packende Geschichte um Liebe, Ehre und Rache aus der nordischen Mythologie.
Die ursprünglich isländische Saga, die im 14. Jahrhundert niedergeschrieben wurde, hat Komponist Andreas N. Tarkmann in eine modern klingende Oper verwandelt. „Wir wollten keinen Wagner-Abklatsch schaffen, sondern etwas Frisches, das trotzdem die Kraft dieser alten Erzählungen transportiert», erklärt Tarkmann nach der Premiere. Dieser Spagat ist geglückt: Die Musik verbindet nordische Klangfarben mit zeitgenössischen Elementen.
Besonders beeindruckend ist das Bühnenbild von Mathias Fischer-Dieskau. Ein gewaltiges, zerklüftetes Holzschiff dominiert die Bühne und wird durch geschickte Lichttechnik mal zum eisigen Fjord, mal zum königlichen Saal. Die Kostüme verzichten auf platte Wikingerklischees, zeigen stattdessen eine stilisierte, zeitlose Interpretation der nordischen Welt.
Die stimmlichen Leistungen überzeugen auf ganzer Linie. Allen voran Bariton Olaf Winckelmann als tragischer Held Frithjof, der mit kraftvoller Präsenz und überraschender Zartheit in den lyrischen Passagen besticht. Sopranistin Maren Schneider verleiht der Königstochter Ingeborg Tiefe jenseits der Opferrolle.
In den letzten Jahren habe ich viele Uraufführungen in deutschen Opernhäusern besucht, doch selten war das Zusammenspiel zwischen Musik, Inszenierung und Darstellern so stimmig wie hier in Essen. Die Produktion zeigt, dass die große Form der Oper auch im 21. Jahrhundert noch funktionieren kann.
Nach fast zehn Minuten Applaus steht fest: Diese Produktion könnte über Essen hinaus Wellen schlagen. Intendant Bernd Meyer deutet bereits an: „Wir sind mit mehreren internationalen Häusern im Gespräch.» Eine rundum gelungene Premiere, die beweist, dass auch heute noch neue Opern entstehen können, die gleichermaßen künstlerisch anspruchsvoll und publikumswirksam sind.