In Marzahn wehren sich Anwohner gegen die geplante Nachverdichtung durch die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobag. Über 350 Bürger haben sich zur Initiative «Grünes Marzahn erhalten» zusammengeschlossen. Sie fordern mehr Mitspracherecht bei den Bauplänen, die bis zu 800 neue Wohnungen vorsehen – und dafür Grünflächen und Spielplätze opfern würden.
«Wir sind nicht grundsätzlich gegen neuen Wohnraum, aber die Balance stimmt nicht», erklärt Karin Weber, Sprecherin der Initiative. «Diese Pläne würden unsere Lebensqualität massiv einschränken.» Eine von der Gruppe in Auftrag gegebene Umfrage zeigt: 78 Prozent der lokalen Bewohner lehnen die aktuelle Planung ab.
Die Gewobag verteidigt ihr Vorhaben. «Berlin braucht dringend bezahlbaren Wohnraum, und Nachverdichtung ist ein unverzichtbarer Teil der Lösung», sagt Pressesprecher Martin Schulz. Der Senat hatte das Areal 2024 für beschleunigtes Bauen freigegeben.
Bei einer Bürgerversammlung vergangene Woche wurde es emotional. Als ich durch die Reihen ging, spürte ich die Frustration der Menschen. «Erst werden wir nicht gefragt, und dann sollen wir die Folgen ausbaden», sagte mir eine ältere Dame, die seit 40 Jahren in der Siedlung wohnt.
Bezirksstadtrat Jonas Häring (SPD) hat nun einen runden Tisch angeboten. «Wir müssen einen Kompromiss finden, der sowohl dem Wohnungsbedarf als auch den berechtigten Anliegen der Anwohner gerecht wird.»
Die Entscheidung fällt voraussichtlich im April. Bis dahin will die Initiative weitere Unterschriften sammeln und alternative Konzepte vorlegen. Was hier in Marzahn geschieht, könnte wegweisend für ähnliche Projekte in ganz Berlin werden. Die Frage bleibt: Wer bestimmt eigentlich, wie unsere Kieze sich entwickeln dürfen?