Der Kurfürstendamm in Berlin hat sich gewandelt. Früher war der «Kudamm», wie Berliner ihn liebevoll nennen, ein Prachtboulevard – heute bietet er ein durchwachsenes Bild. Während Touristen noch immer in Scharen die 3,5 Kilometer lange Flaniermeile besuchen, ist für Einheimische oft nur noch der östliche Teil mit seinen Luxusgeschäften attraktiv. Laut Handelskammer Berlin haben sich die Besucherzahlen seit 2019 um fast 25 Prozent verringert.
In den letzten Jahren haben viele traditionsreiche Geschäfte aufgegeben. An ihre Stelle treten Souvenir-Shops, Billigläden und Fast-Food-Ketten. «Der Kudamm verliert seine Identität«, sagt Klaus Hoffmann, der seit 40 Jahren ein Café in der Nähe des Breitscheidplatzes betreibt. «Die Mietpreise sind so hoch, dass nur noch internationale Ketten sie bezahlen können.»
Bei meinen Gesprächen mit Anwohnern wird deutlich: Sie vermissen das einzigartige Flair, das den Kudamm einst auszeichnete. Wo früher das berühmte Café Kranzler, kleine Boutiquen und elegante Restaurants zu finden waren, dominieren heute austauschbare Filialisten.
Die Bezirksverwaltung versucht gegenzusteuern. «Wir arbeiten an einem Konzept zur Revitalisierung des westlichen Kudamm-Abschnitts«, erklärt Stadtrat Michael Weber. Ein erster Schritt war die Neugestaltung des Mittelstreifens mit mehr Grünflächen und Sitzgelegenheiten.
Hoffnung machen auch einige Neueröffnungen lokaler Händler, die auf Qualität und persönliche Beratung setzen. So wie Lisa Bergmann, die vor einem Jahr ein Atelier für nachhaltige Mode eröffnete: «Es war ein Wagnis, aber wir spüren, dass viele Berliner wieder das Besondere suchen.»
Der Kudamm bleibt ein Spiegelbild unserer Zeit – zwischen Kommerzialisierung und dem Wunsch nach Authentizität. Die Frage ist, ob er seine Seele bewahren kann oder zum bloßen Touristenpfad wird. Eine Antwort darauf müssen die Berliner selbst finden.